Harze


Harze

Harze, in der Technologie, Warenkunde und Pharmakognosie amorphe, in Wasser unlösliche Pflanzenstoffe, welche bei gewöhnlicher Temperatur entweder weich (Weichharze) sind oder erst beim Erwärmen erweichen (Hartharze), bei höherer Temperatur schmelzen, mit rußender Flamme (wegen des hohen[781] Kohlenstoffgehaltes) brennen, in den sogenannten Harzlösern wie Alkohol, Aether, Chloroform, Benzol, Petroleumdestillaten, Schwefelkohlenstoff, Aceton und ätherischen Oelen zumeist löslich, aber nicht unzersetzt destillierbar sind.

Durch natürliche Beimengungen andrer Pflanzenstoffe erscheinen viele Harze in verändertem Zustande, wonach in der Praxis folgende Gruppen unterschieden worden sind: 1. Gewöhnliche Harze; 2. Gummiharze (mit Gummi gemengt); 3 Balsame, das sind entweder in ätherischen Oelen gelöste Harze oder aber »Körper wie der Perubalsam, der in den äußeren Charakteren mit den harzführenden Balsamen übereinstimmt, chemisch genommen, jedoch nur arm an harzartigen Körpern, hingegen reich an einer flüssigen neutralen Substanz ist, die in naher Beziehung mit bestimmten Harzen steht« (Wiesner). – Eine besondere Gruppe bilden noch die fossilen Harze wie der Bernstein und der Asphalt (s.d.). – Die physikalischen und naturhistorischen Eigenschaften wie Farbe, Glanz, Durchsichtigkeit, Härte und Dichte sowie der Geruch und Geschmack geben zur Charakterisierung der meiden Harze die bellen Anhaltspunkte. Zur Erkennung von Verfälschungen und zur Analyse der Harzgemische hat man nebst der Prüfung auf Löslichkeit in neuerer Zeit auch die für Fette gebräuchlichen Bestimmungen der Säure-, Verseifungs- und Jodzahlen (und die Differenz zwischen den Verseifungs- und Säurezahlen als Aetherzahl) mit gutem Erfolg angewendet [1], [2].

Das Vorkommen der Harze in den Pflanzen ist außerordentlich verbreitet; sie sind in den verschiedensten Familien, selbst in den Pilzen, gefunden worden, zumeist als wahre Sekretionsprodukte in eignen Gängen (schizo-, lysigene und schizolysigene Harzgänge) oder auch nur in Zellen als Anteil der Zellwand oder des Zellinhaltes. Neuesten Untersuchungen zufolge entstehen sie in der äußersten Schichte der Zellwand (entsprechend der Außen- oder Mittellamelle), in der sogenannten resinogenen Schicht, die als die wahre Harzmatrix anzusehen ist (Tschirch). Auch über ihre chemische Konstitution sind wir seit kurzem besser unterrichtet worden. Von Hlasiwetz, der ihre Aufschließung mittels Verschmelzen von Kalihydrat bewerkstelligte, wird die Anschauung vertreten, daß sie immer Oxydationsprodukte sind, »Zwischenglieder einer durch den Vegetationsprozeß bedingten Zersetzung hoch zusammengesetzter Verbindungen, deren sich die Pflanze als nicht weiter verwendbarer Ausscheidungen entledigt. Die Pflanzen produzieren dabei häufig nicht sowohl Harze als vielmehr gewisse Verbindungen, welche weiterhin verharzen«. Zum Teile stehen sie in nächster Beziehung zur aromatischen Reihe, einzelne schließen sich den aliphatischen Verbindungen an.

Durch die umfassenden Arbeiten Tschirchs und seiner Schüler [3] ist die Zusammensetzung der Harze folgendermaßen aufgedeckt worden. Sie bestehen aus drei Gruppen von Verbindungen: 1. aus Harzestern oder Resinen; 2. aus Harzsäuren (Resinolsäuren) und 3. aus Resenen. Die Resine lassen sich als Ester in Säure und Alkohol spalten. Die Säuren schließen sich teils der Benzoesäure, teils der Zimtsäure an; die Alkohole enthalten nur eine HO-Gruppe und sind entweder farblos und leicht kristallisierbar (Resinole), oder sie geben die Gerbstoffreaktion (Tannole, Resinotannole). – Die zweite Verbindungsgruppe der Harze sind die Resinolsäuren, die frei in den Harzen vorkommen, stets eine HO- und mindestens eine Carboxyl-(COOH-)Gruppe enthalten. – Die geringste Kenntnis besitzen wir von den Resenen, die vielleicht der aromatischen Reihe angehören und wegen ihrer überaus großen Widerstandsfähigkeit gegen Agentien verschiedenster Art am meisten an der praktischen Verwendbarkeit der Harze Anteil haben. Nach diesen Gruppen unterscheidet man nach Tschirch Tannolharze, nach den ausschlaggebenden Bestandteilen, den Tannolen so genannt; die Resenharze (Burseraceen- und Dipterocarpaceenharze), die Resinolsäureharze (Koniferen-, Agaricum- und Cäsalpiniaceenharze), Fettharz, Färbharz (Gutti) und Glykoresine (Convolvulaceenharze).

Die wichtigsten in der Technik verwendeten Harze (und Balsame) sind: 1. Gummiharze: Ammoniakharz (Bd. 1, S. 176), Galbanum, Gummigutti (Bd. 3, S. 641), Myrrhe, Weihrauch. 2. Balsame: Kanadabalsam, Kopaivabalsam, Gurjunbalsam (S. 681), Perubalsam, Storax, Terpentin, Tolubalsam. 3. Eigentliche Harze: Aloeharz (Bd. 1, S. 153), Benzoe (Bd. 1, S. 687), Kopal, Dammarharz (Bd. 2, S. 535), Drachenblut (Bd. 3, S. 14), Elemi (Bd. 3, S. 429), Fichtenharz (S. 23) und Kolophonium, Guajakharz (S. 666), Gummilack und Schellack (S. 677), Mastix, Sandarak, Akaroidharz (Bd. 1, S. 107).


Literatur: Außer den bei den einzelnen Artikeln angegebenen Werken und Originalarbeiten sind noch anzuführen: [1] Schmidt, E., Ausführl. Lehrbuch der pharmaceut. Chemie, 3. Aufl., Braunschweig 1896, Bd. 2, Kap. Harze. – [2] Kremel, in Dingl. Polyt. Journ. 1886, Bd. 261, S. 424. – [3] Tschirch, in 68. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte, Frankfurt 1896, Chem. Ztg. 1896, Nr. 79, S. 766; Ders., Angewandte Pflanzenanatomie, Wien 1889, S. 216. – [4] Ders., Die Harze und die Harzbehälter, Leipzig 1900. – [5] Dieterich, Karl, Analyse der Harze, Balsame und Gummiharze, nebst ihrer Chemie und Pharmakognosie, Berlin 1900. – [6] Wiesner, Rohstoffe des Pflanzenreiches, 2. Aufl., Leipzig 1900, Bd. 1, S. 130 ff. (der chemische Teil von Max Bamberger).

T.F. Hanausek.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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