Taschen [1]

Taschen [1]

Taschen (für Schüttgut) sind – ähnlich wie Hoch- und Tiefbehälter (s.d.) – in Holz, Eisen oder Stein bezw. Beton ausgeführte, bei Gebäude- oder Brückenlagern in der Regel zur ortsfesten, meist für längere Zeit vorgesehenen und daher geschützten oder bei Fahrzeugen (wie schwimmenden Speichern) (s. Schiffsbekohlung) oder Selbstentladern (s.d.) zur vorübergehend beweglichen Lagerung von Massengütern bestimmte (Sammel-)Räume, deren trichterförmige Gestalt ein Abzapfen bezw. Herausfließen der trockenflüssigen Sammelkörper (Kohle, Koks, Asche, Sand, Getreide, Zement, Mehl, Müll u. dergl.) gestattet. Vgl. a. Elevator, Greiser, Gurtförderer, Haufenlager, Konveyor, Krane für Massentransport, Kratzer, Kübel, Rutschen, Schwerkraftbahnen, Seilbahnen, Silospeicher (Schrägtaschen), Massentransport und [1].

Taschen dienen zur Lokomotiv- und Wagenbeschickung (vgl. Lokomotivbekohlung und Kipper), oder sie werden über den Kesseln in Krafthäusern (Fig. 1) (s.a. Kesselhaus) und über den Retorten in Gasfabriken (s.d.) [1] wie auch zur Lagerung und bequemen Verteilung für Städteversorgung u. dergl. (Füllung durch Hochgleise, Verteilung in Straßenhöhe) angelegt. Ferner werden Taschen insbesondere gebraucht für Schiffsbeladung u. dergl. (Fig. 2 und 3) – vgl. a. Kipper – u.a. bei den gewaltigen Erzverladungen an den großen Seen der Vereinigten Staaten von Nordamerika, in denen einzelne Füllrumpfanlagen von über 600 m Länge vorkommen (275–700 m bezw. 200–1650 Erztaschen von je 51,5–115 cbm); beispielsweise[419] besitzt ein einziges dortiges Lager bei Duluth ein Fassungsvermögen von 160000 t, dabei beträgt der Inhalt einer Tasche rund 150 t. Acht Eisenbahngesellschaften besaßen dort im Jahre 1909 zusammen 25 solcher Anlagen, deren Stapelmenge rund 1 300000 t (!) betrug. Die 15–22 m über dem Wasserspiegel gelegenen, oben 11–19 m weiten und mit (je nach der Beschaffenheit der Erze) um 38–50° geneigten Böden versehenen Taschen werden von den darüberliegenden Gleisen aus durch die bodenentleerenden Eisenbahnwagen (s. Selbstentlader) gefüllt, und die Erze werden nach Belieben durch seitliche Rutschen in die Dampfer geschüttet. Auf diese Weise werden bis zu 45000 t Erz pro Tag von einer einzigen Brücke verladen; die Höchstleistung betrug 7700 t in 21/2 Stunden. Vgl. a. [2]. – Endlich spielen die Rohstofftaschen (Fig. 4) eine große Rolle bei den Schrägaufzügen (s.d.) als Vorratsbehälter für Erz, Kalkstein, Koks u. dergl., d.h. als Zwischenschaltung für Eisenbahn- oder Seil- bezw. Hängebahn (s.d.) bezw. Schiff oder Haufenlager (s.d.) und Hochofenbegichtung bei Hüttenwerken (s.d.) [3] sowie bei Aufbereitungs- und Brikettwerken u. dergl. [4].


Literatur: [1] Buhle, Massentransport, Stuttgart 1908, S. 331 ff.; Ders., Zeitschr. d. Oesterr. Ing. u. Arch.-Ver. 1908, S. 709 u. Tafel; Ders., Berg- u. Hüttenmänn. Rundschau 1909, S. 153 (vgl. a. S. 116); ferner Zeitschr. d. Ver. deutsch. Ing. 1909, S. 460, sowie »Glückauf« 1909, S. 50 ff. u. S. 548 ff. u. Tafel 6, und Schutt, »Stahl und Eisen« 1909, S. 546 ff. – [2] Buhle, Techn. Hilfsmittel zur Beförd. u. Lagerung von Sammelkörpern (im folgenden bezeichnet mit T.H.) I, S. 46 bezw. 78 ff. (Zeitschr. d. Ver. deutsch. Ing. 1899, S. 1358 bezw. 1387 ff.; ebend. 1909, S. 1005); T.H. III, S. 272 (»Stahl und Eisen« 1906, S. 855; ebend. 1908, S. 243; Erzdecks aus Eisen); Eng. News 1904, I, S. 433. – [3] Frölich, Zeitschr. d. Ver. deutsch. Ing. 1907, S. 1056 ff.; vgl. a. S. 1809 ff.; ferner »Stahl und Eisen« 1908, S. 1353 und 1778 ff.; 1909, S. 235, 345 und 504 ff.; desgl. »Glückauf« 1908, S. 742 (Kosten), sowie 1905, S. 1587 ff. – [4] Ebend. 1903, Nr. 35, und 1908, S. 1419 ff.

M. Buhle.

Fig. 1., Fig. 4.
Fig. 1., Fig. 4.
Fig. 2 und 3.
Fig. 2 und 3.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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