Strecken [1]


Strecken [1]

Strecken, Grubenbaue, die von Schächten aus angenähert wagerecht in das Gebirge getrieben werden. Hiervon machen nur die Tagestrecken eine Ausnahme, da sie von der Tagesoberfläche aus, in der Regel mit schwachem Einfallen – hierdurch unterschieden von den Stölln –, auf einer Lagerstätte angelegt werden.

Der Querschnitt der Strecken nähert sich der Form der Ellipse oder des Rechteckes. Das Gestein über der Strecke heißt das Dach oder die Firste, dasjenige unter der Strecke die Sohle; die seitlichen Begrenzungsflächen heißen Stöße, Ulmen, Wangen. Sie werden entweder nach der Himmelsrichtung unterschieden, z.B. nördlicher, südlicher Stoß oder nach der Lage zu den Gebirgsschichten als hangender und liegender Stoß. Die Gesteinswand am Ende der Strecke heißt Ort (von Arbeitsort). Die Strecken erhalten vom Schachte aus ein geringes Ansteigen, damit das Wasser zum Schachte abfließt, der hierzu dienende Teil des Streckenquerschnitts heißt Wasserseige; man legt die Strecke tunlichst gerade und in Kurven an, um für Förderung und Wetterführung die Widerstände herabzumindern. Benannt werden die Strecken nach ihrer Lage zur Lagerstätte: angenähert wagerechte, der Längenerstreckung (Streichen) der Lagerstätte folgende Strecken heißen Streichstrecken; ebenfalls wagerechte, jedoch rechtwinkelig zu diesen getriebene heißen Querstrecken oder Querschläge, die letztere Bezeichnung erhalten namentlich Strecken, welche nicht in der Lagerstätte, sondern im Gestein getrieben sind. In der Fallrichtung der Lagerstätte liegende Strecken heißen, wenn sie ansteigen, schwebende, auch Steigörter, wenn sie abwärts getrieben sind, einfallende, auch Fallörter oder Abhauen. Stärker geneigte Strecken heißen auch Berge, z.B. Bremsberg, Haspelberg (vgl. Bremsbergförderung und Haspelförderung, Bd. 2, S. 257). Diagonale Strecken werden gewöhnlich nur beim Flöz- und Lagerbergbau angewendet und liegen der Richtung nach zwischen den Fall- und Streichstrecken, ihre Neigung ist kleiner als die der Fallstrecken, sie wurden früher als Förderstrecken vielfach angewendet. Untergebirgsstrecke n werden bei der Ausrichtung mächtiger Lagerstätten im Liegenden parallel zum Streichengetrieben, sie bleiben hier von der Wirkung des Abbaubetriebes unberührt. Besonders enge und niedrige Strecken heißen Paß, das Erweitern einer Strecke nennt man Nachnehmen, z.B. es wird Firste oder Stoß nachgenommen. – Diejenigen Streichstrecken, welche von den Hauptschächten ausgehen und die Lagerstätte in Hauptabschnitte teilen, heißen Grundstrecken, Sohlstrecken, beim Erzbergbau auch Gezeugstrecken oder Läufe; zwischen ihnen liegende kürzere Streichstrecken, die nicht unmittelbar mit den Schächten in Verbindung stehen, heißen Feldstrecken, Mittelfohlen. Die einzelnen Grundstrecken werden entweder durch Ordnungsnummern in der Reihenfolge von oben nach unten oder durch die Tiefenlage unterschieden, z.B. fünfte Grundstrecke oder 200 m Sohle. – Nach dem besonderen Zwecke heißen die Strecken: Förderstrecke, Fahrstrecke, Wasserstrecke oder Sumpfstrecke, Wetterstrecke, Abbaustrecke. Förderstrecken, welche für ein bezw. zwei Gleise Raum bieten, heißen eintrümige, zweitrümige Strecken.


Literatur: Vgl. die Lehrbücher über Bergbaukunde, Bd. 1, S. 696.

Treptow.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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  • Strecken — Strêcken, verb. regul. act. heftig oder sehr in die Länge ausdehnen, wie das niedrigere recken. 1. Eigentlich. Das Leder strecken. bey den Gärbern und andern Lederarbeitern, es durch Ziehen in die Länge ausdehnen. Bey den Jägern wird der Zeug… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • strecken — Vsw std. (9. Jh., firstecken 8. Jh.), mhd. strecken, ahd. strecken, mndd. strecken, mndl. strecken Stammwort. Wie afr. strekka, strikka, ae. streccan am ehesten eine Ableitung zu dem unter strack aufgeführten Adjektiv. Die Parallelität zu dem… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • strecken — strecken: Das westgerm. Verb mhd. strecken, ahd. strecchen, niederl. strekken, engl. to stretch ist das Bewirkungswort zu dem unter ↑ stracks behandelten Adjektiv und bedeutet eigentlich »gerade, strack machen«, dann »ausdehnen, recken« und… …   Das Herkunftswörterbuch

  • strecken — V. (Grundstufe) einen Körperteil so dehnen, bis er die volle Länge erreicht Synonym: recken Beispiele: Er streckte seinen Kopf aus dem geöffneten Fenster. Ich musste meinen Hals strecken, um etwas zu sehen. Ich streckte meine Beine auf dem Sessel …   Extremes Deutsch

  • Strecken — Strecken, 1) das Feld bei der Bestätigung angeben, wie die Fundgrube auf einem neu gemutheten Gange gelegt werden soll; 2) das lohgare Schafleder, nachdem es aus der Farbe gekommen u. getrocknet ist, mit dem Streckeisen ausstreichen u. ausdehnen …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Strecken — Strecken, das Ausschmieden von Arbeitsstücken in der Länge; auch eine Operation beim Spinnen (s. d., S. 745) …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Strecken [2] — Strecken, in der Spinnerei, s. Baumwollspinnerei; in der Metallbearbeitung, s. Schmieden …   Lexikon der gesamten Technik

  • strecken — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: • dehnen • (aus)weiten Bsp.: • Er dehnte das Gummiband …   Deutsch Wörterbuch

  • strecken — (sich) ausdehnen; ausstrecken; (sich) erstrecken; recken; dehnen; rekeln * * * stre|cken [ ʃtrɛkn̩]: 1. a) <tr.; hat in eine gerade, ausgestreckte Haltung, Stellung bringen …   Universal-Lexikon

  • Strecken — Verlängern; Verdünnung; Verwässerung * * * stre|cken [ ʃtrɛkn̩]: 1. a) <tr.; hat in eine gerade, ausgestreckte Haltung, Stellung bringen; ausgestreckt irgendwohin halten, recken: er streckte die Beine; den Arm in die Höhe strecken; den Kopf… …   Universal-Lexikon