Stolln


Stolln

Stolln (Stollen), bergmännischer Bau, welcher von der Oberfläche mit wenig Ansteigen in das Gebirge getrieben ist; die Oeffnung an der Oberfläche heißt das Mundloch; vor demselben werden die Gesteinsmassen, die beim Betriebe zu fördern sind, als Stollenhalde aufgestürzt. Vgl. a. Tunnelbau.

Neben der Ausrichtung (s. Bd. 1, S. 404) und Untersuchung der Lagerstätte haben die Stolln meistens auch den Zweck, das Wasser abzuleiten. – Der unterste Teil des Stollnquerschnittes, in dem das Wasser fließt (vgl. Bd. 3, S. 577, Fig. 1), heißt die Wasserseige; das eingebaute Tragewerk ermöglicht Fahrung und Förderung. Ein Stolln, welcher dem zuletzt genannten Zwecke vorwiegend dient, heißt Förderstolln; Wetterstolln ein solcher, der den Luftwechsel (Wetterwechsel) in der Grube vermittelt. Revierstolln ist ein Stolln, welcher nicht einer einzelnen Grube, sondern einem ganzen Bergreviere dient; Erbstölln sind mit besonderen Vorrechten ausgestattete Stolln (vgl. Grubenbetrieb, Bd. 4, S. 638). – Stolln können in günstigen Fällen am Ausstrich auf der Lagerstätte selbst angesetzt und dann streichend vorgetrieben werden; oder sie werden querschlägig, d.h. rechtwinklig bis an die Lagerstätte und dann erst streichend auf derselben getrieben. Im letzteren Falle nennt man den Teil des Stollns, welcher bis an die Lagerstätte führt, Hauptstolln, die Verzweigungen Stollnflügel, Flügel oder Flügelörter. Die Sohle der Flügelörter legt man etwas höher als die Sohle des Hauptstollns, um ein etwaiges Zurückstauen des Wassers zu vermeiden; die Sohlendifferenz heißt Gesprenge und beträgt etwa 0,5–1,0 m. – In gebirgiger Gegend sind die Stolln von außerordentlicher Wichtigkeit für den Bergbaubetrieb; sie gestatten einen wohlfeilen Abbau der über der Talsohle gelegenen Teile der Lagerstätten (Stollnbau) und ermöglichen für den Abbaubetrieb unter dem tiefsten Stolln (den Tiefbau) die vorteilhafte Ausnutzung vorhandener Wasserkräfte.[325] – Kürzere Stölln werden nur vom Mundloche M aus betrieben, bei größeren Stöllnanlagen vermehrt man die Anzahl der Arbeitspunkte, indem man nahe der Stollnlinie nach vorausgegangenen genauen Vermessungen Schächte in kleinen Abmessungen L, L1 (Lichtschacht, Lichtloch) bis auf die Stollnsohle abteuft und von diesen aus je zwei Arbeitsorte O und G (Ort und Gegenort) betreibt (vgl. die Figur). – Die bekanntesten größeren Stollnanlagen in Deutschland sind: Der Rothschönberger Stolln [1] im Freiberger Revier; der Hauptstolln hat eine Länge von fast 14 km und wurde von acht Lichtlöchern aus betrieben, die Flügelörter auf den zahlreichen Erzgängen haben mehr als 50 km Länge. Bei den Hauptschächten trifft der Stolln je nach der Höhenlage der Hängebank in 230–280 m Tiefe ein, – Der Schlüsselstolln beim Mansfelder Kupferschieferbergbau hat 31 km Länge, er ist im Flözstreichen getrieben [2]. – Der Ernst-August-Stolln am Oberharz [3] hat im ganzen 26 km Länge; im inneren Teile des Reviers war er früher für die Erzbeförderung bis zum Ottiliä-Schacht für Schiffahrt eingerichtet; diese ist jetzt durch elektrische Lokomotivförderung auf der 570 m unter Tage liegenden tiefsten Wasserstrecke ersetzt worden.


Literatur: [1] Freibergs Berg- u. Hüttenwesen, 2. Aufl., Freiberg 1893, S. 96. – [2] Mansfeldsche kupferschieferbauende Gewerkschaft, Festschrift zum 10. allgemeinen deutschen Bergmannstage, Eisleben 1907, S. 61. – [3] Scheunen, Die Neuanlagen der Kgl. Berginspektion zu Clausthal, Essener Glück auf, 1907, S. 657.

Treptow.

Stollnbetrieb mit Lichtlöchern.
Stollnbetrieb mit Lichtlöchern.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.