Chlorkohlenoxyd


Chlorkohlenoxyd

Chlorkohlenoxyd, Kohlenoxychlorid, Karbonylchlorid oder gewöhnlich Phosgen, das dem hypothetischen Kohlensäurehydrat entsprechende Säurechlorid, besitzt die Konstitution


Chlorkohlenoxyd

Es ist ein farbloses, erstickend riechendes Gas von heftiger Wirkung auf die Atmungsorgane, das sich in einer Kältemischung leicht zu einer farblosen Flüssigkeit kondensiert. Diese siedet bei +8,2°, besitzt bei 0° das spez. Gew. 1,432 und erstarrt noch nicht bei –75°. In Benzol ist das Phosgen sehr leicht löslich. Es ist eine äußerst reaktionsfähige Verbindung. Von Wichtigkeit ist seine Fähigkeit, mit Benzolkohlenwasserstoffen und deren Derivaten unter Verkettung der Karbonylgruppe – CO – mit zwei aromatischen Resten zu reagieren, eine Reaktion, die für die Technik sich nutzbringend erwiesen hat (s. unten), z.B.


Chlorkohlenoxyd

Das Phosgen entsteht durch direkte Vereinigung von Kohlenoxyd und Chlor, besonders unter Wirkung des Sonnenlichts. Auch zur Darstellung im großen Maßstab in den Fabriken bedient man sich dieser Reaktion; jedoch hat sich bei den großen Massen der aufeinander einwirkenden Gase eine Bestrahlung durch das Sonnenlicht als unnötig erwiesen. Es kommt nur darauf an, möglichst reines Kohlenoxydgas in Anwendung zu bringen. Dasselbe stellt man am besten durch Ueberleiten von reiner Kohlensäure über geglühten Zinkstaub dar [2]. Die beiden Gase läßt man dann in Gefäßen, die mit gepulverter Knochenkohle gefüllt sind, zusammentreten, leitet das entstandene gasförmige Phosgen, um es von überschüssigem Chlor zu befreien, über erwärmtes Antimon und gewinnt es nun, indem man es entweder durch Abkühlen kondensiert oder indem man es in abgekühltem Benzol auffängt. Solche Benzollösungen, die in Glasröhren eingeschmolzen versendet werden, sind auch im Handel zu haben; doch werden die eisernen[446] Druckflaschen mit kondensiertem Phosgen nicht mehr angetroffen, da die Farbenfabriken sich die Verbindung selbst darstellen. Das Phosgen dient namentlich zur Herstellung von Kristallviolett und des Tetramethyldiamidobenzophenons (s. oben), des Ausgangsmaterials zur Darstellung von Viktoriablau, Auramin u.s.w. [3]. Weiteres über Phosgen s. unter [1].


Literatur: [1] Beilstein, Handbuch der organ. Chemie, 3. Aufl., Hamburg und Leipzig 1893, Bd. 1, S. 546. – [2] Meyer und Jacobson, Lehrbuch der organ. Chemie, Leipzig 1893, Bd. 1, S. 1040, Anm. 2. – [3] Caro, Ueber die Entwicklung der Teerfarbenindustrie, Vortrag, Berichte der deutschen ehem. Gesellschaft, Bd. 25, Referate, S. 1062.

Bujard.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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