Thomasschlacke


Thomasschlacke

Thomasschlacke, ein Nebenprodukt der Stahlfabrikation im Bessemerprozeß (vgl. Flußeisen, Bd. 4, S. 112). Nach Thomas und Gilchrist wird behufs der so notwendigen Entphosphorung des Eisens die sogenannte Bessemerbirne mit Steinen von Dolomit ausgekleidet. Der Phosphor des Eisens wird infolge der hohen Temperatur und des zugeführten Sauerstoffs der atmosphärischen Luft zu Phosphorsäure oxydiert und diese verbindet sich mit dem Kalk der Dolomitsteine und mit dem außerdem zur Schonung der Ausfütterung der Birne noch direkt hinzugegebenen Kalk zu phosphorsauerm Kalk, welcher nach Beendigung des Prozesses als Schlacke gewonnen und sein gemahlen als künstliches Düngemittel in den Handel kommt. Deutschland konsumierte 1901 ca. 10000000 dz Thomasschlacke bei einem Konsum von ca. 22000000 dz Phosphate überhaupt [1].

Ueber die Wirkung der Phosphorsäure in der Thomasschlacke im Verhältnis zu derjenigen im Superphosphat war man lange im unklaren. Die Phosphorsäure im Thomasmehl kostete lange Zeit ungefähr die Hälfte des Preises jener im Superphosphat und sollte auch ungefähr nur halb so wirksam sein, was von vielen Landwirten bestätigt wurde, während ihr zahlreiche andre nach den damit erzielten Erträgen bald eine größere, bald eine geringere Wirkung zuerkannten. Dieser Mißstand war um so größer, weil es allgemein üblich ist, den Preis der künstlichen Düngemittel nur nach den in ihnen enthaltenen wirksamen Substanzen festzusetzen. Paul Wagner-Darmstadt [2] hat diese Streitfrage endgültig entschieden. Er Stellte Düngungsversuche mit verschiedenen Thomasmehlen an, setzte die Wirkung der besten, welche fast so gut wirkten wie Superphosphat, gleich 100 und fand im Verhältnis hierzu die Wirkung der andern gleich 80, 66, 50, 30 u.s.w. Diese so verschieden wirksamen Thomasmehle wurden bisher alle als gleichwertig behandelt, und es gab einen Preisunterschied zwischen ihnen nur nach der Feinheit des beim Mahlen erzielten Kornes. Wagner stellte fest, daß jedes der untersuchten Thomasmehle in demselben Maße wirkte, als seine Phosphorsäure zitratlöslich war und hat somit einen Maßstab für die Bewertung der Thomasschlacke gefunden. – Die Richtigkeit seiner Theorie hat Wagner durch vergleichende Kulturversuche bewiesen. – Die Zitratlöslichkeit stellte Wagner durch Einwirkung einer schwachen Lösung von Ammoniumzitrat in freier Zitronensäure auf das betreffende Phosphat fest. Er untersuchte weiter, woran es wohl läge, daß einzelne Thomasmehle so außerordentlich zitratlöslich sind und infolgedessen so gut wirken, während das bei andern nicht der Fall ist, und wie man die letzteren wohl verbessern könnte. Er hat gefunden, daß die Zitratlöslichkeit der einzelnen Thomasmehle mit ihrem Kieselsäuregehalt Hand[544] in Hand geht. – Wie man also die Rohphosphate mit Schwefelsäure aufschließt, um sie hier durch zu Superphosphaten, d.h. ihre Phosphorsäure, löslich zu machen, sind jene Thomasmehle welche hochprozentig zitratlöslich sind, gewissermaßen mittels Kieselsäure aufgeschlossen. Wagner empfiehlt deshalb, in die flüssige Schlacke der Hochöfen einige Karren Sand zu schütten, um durch diesen Zusatz von Kieselsäure die Zitratlöslichkeit der betreffenden Thomasschlacken wesentlich zu erhöhen.


Literatur: [1] Rümpler, A., Käufliche Düngestoffe, 3. Aufl., Berlin 1889; Weitz, M., Der landwirtschaftliche Raubbau, 3. Aufl., Berlin 1895. – [2] Wagner, Paul, Düngungsfragen, Heft 3, Berlin 1896, Heft 4, 1898, Heft 5, 1904.

Weitz.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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