Schweelerei


Schweelerei

Schweelerei (Schwelerei), die trockene Destillation der Braunkohlen.

Sie wird seit ca. 50 Jahren in Sachsen-Thüringen, insbesondere in der Umgebung von Weißenfels und Zeitz, auf Grund der dortigen Vorkommen bitumenreicher Arten fabrikmäßig betrieben und als Schweelerei bezeichnet und liefert außer Grudekoks (Bd. 2, S. 287) Gase, Teerwasser und Teer. Die Gase enthalten neben Kohlenoxyden, Kohlenwasserstoffen erhebliche Mengen von Schwefelwasserstoff und werden mit zur Befeuerung der aus Eisen oder Schamotte bestehenden, senkrecht aufgestellten Schweelzylinder, durch welche die zu zersetzende Braunkohle[843] in Form kleiner Stücke hindurchgeführt wird, benutzt, während sich das Teerwasser in ähnlicher Weise wie das Gaswasser auf Ammoniak verarbeiten läßt. – Der eigentliche Braunkohlenteer wird durch Destillation im luftverdünnten Raum in zwei Fraktionen, in das sogenannte Rohöl und in die sogenannte Paraffinmasse, zerlegt, wobei im Kessel Pech oder Koks, die zum Heizen verwendet werden können, zurückbleiben. – Bei der weiteren Verarbeitung ergibt das Rohöl neben kleineren Mengen Benzin hauptsächlich »Solaröl« und – zuzüglich der flüssigbleibenden Anteile der Paraffinmasse – mehr oder weniger stark gefärbtes Gas- oder Paraffinöl, Mit amerikanischem Petroleum gemischt stellt das Solaröl ein in der Umgebung der Produktionsstätten viel benutztes Beleuchtungsmittel dar, das sich auch zum Betrieb von Petroleummotoren eignet. – Größer als an Solaröl und an Benzin ist das Ausbringen an Gas- oder Paraffinöl, das wegen seiner Eigenschaft, beim Ueberhitzen in auch bei niedriger Temperatur und unter mäßigem Druck gasförmig bleibende Kohlenwasserstoffe zu zerfallen, zur Herstellung von Oel- oder Fettgas für Eisenbahnwagenbeleuchtung (Bd. 3, S. 339, Bd. 6, S. 438, 755) Verwendung findet und auch zum Betrieb von Oelfeuerungen sowie von Diesel-Motoren brauchbar ist. Paraffinöle von bestimmtem spezifischem Gewicht können auch zur Fabrikation geringwertiger Schmiermittel benutzt werden. Aus der Paraffinmasse gewinnt man durch starkes Abkühlen, Pressen der sich dabei ausscheidenden Schuppen und systematisches Behandeln derselben mit Lösungs- bezw. Entfärbungsmitteln schließlich farblose Hart- und Weichparaffine, deren Schmelzpunkte bei ca. 55° bezw. 45° liegen. Diese Paraffine, die auf ca. 85% Kohlenstoff 15% Wasserstoff enthalten und sich in Aether, Benzin und Benzol leicht lösen, werden hauptsächlich als billiger, wenn auch keineswegs immer vollwertiger Ersatz für Wachs benutzt und dienen hauptsächlich zur Fabrikation von Kerzen sowie von Appreturmassen, Bodenwichsen und für ähnliche Zwecke. – Mit den im Deutschen Reich aus Braunkohlen erzeugten Paraffinen konkurrieren im Preis besonders die bei der in Schottland üblichen Destillation von bituminösen Schiefern gewonnenen Produkte, und auch die aus nordamerikanischen Roherdölen erhältlichen Paraffine spielen auf dem Weltmarkt eine beachtenswerte Rolle. Für einzelne Zwecke geeigneter als Paraffin ist das durch Extrahieren bitumenreicher Braunkohlen mit Benzin erhältliche Montanwachs, das neuerdings in großen Mengen in den Handel gebracht wird (s. Wachs).


Literatur: Erdmann, E., Die Chemie des Braunkohlenteers, 1907; Gräfe, E., Braunkohlenteerindustrie, 1906; Reedwoods, Die Mineralöle und ihre Nebenprodukte.

Häußermann.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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