Dungstätten


Dungstätten

Dungstätten oder Mitten sind benimmt, den Dünger für die Zeit von dem Ausbringen aus dem Stall bis zur Abfuhr auf das Feld aufzunehmen; sie werden angelegt überall, wo die Dauerstreu (s.d.) nicht für alle Ställe eingeführt ist. An eine gute Dungstätte stellt man die Anforderung, daß sie zweckmäßig gelegen, ausreichend groß und bequem zugänglich ist. Sie muß ferner so eingerichtet sein, daß der Dünger in guter Beschaffenheit erhalten wird, ohne die Gesundheit von Menschen und Vieh zu beeinträchtigen.

Die Lage muß so gewählt werden, daß die Beförderung der größeren Dungmassen vom Stall nach dem Lagerplatz auf kurzem Wege und mit geringer Arbeit vor sich gehen kann. Liegen die verschiedenen Ställe nicht unmittelbar nebeneinander, so rückt die Dungstätte demjenigen Stall am nächsten, der die größten Dungmassen liefert, in der Regel dem Rindviehstall. Die Teilung in mehrere Dungstätten wird gern vermieden, weil die schichtenweise Mischung verschiedener Dungarten den Dünger verbessert. Vielfach bedient man sich für den Transport des Düngers leichter Feldeisenbahnen, die heute in größeren Wirtschaften selten fehlen. – Die Größe der Dungstätte wird unter Zugrundelegung einer Höhe der Dunglage von 1,0–1,4 m und einer Lagerungsdauer bis zu vier Monaten berechnet. Die Düngererzeugung einschließlich Streu ist zwar je nach der Stärke der Einstreu und der hierzu verwendeten Stoffe sehr verschieden, als mittlere Zahlen können aber nach den Ermittlungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft die folgenden gelten:


[157] für 1 Pferd jährlich 10 cbm, danach die Grundfläche 2,8 qm

für 1 Stück Rindvieh jährlich 15 cbm, danach die Grundfläche 4,0 qm

für 1 Schaf jährlich 2,5 cbm, danach die Grundfläche 0,7 qm

für 1 Schwein jährlich 3,5 cbm, danach die Grundfläche 1,0 qm


Für ein Haupt Großvieh rechnet man durchschnittlich 3 qm, für ein Stück Kleinvieh 1 qm Grundfläche der Dungstätte. – Die Zugänglichkeit ist von Einfluß auf die Grundform und den Querschnitt. Man muß an jede Stelle mit dem leeren Wagen anfahren und den beladenen Wagen abfahren können. Die Grundform ist in kleinen bäuerlichen Gehöften häufig kreisrund oder länglichrund, die Sohle flach muldenförmig, 0,5–0,6 m tief mit etwas erhöhten Rändern, letzteres, um den Zufluß des Regenwassers zu hindern. Größere Dungstätten werden meist rechteckig angelegt und mit Einfahrtsrampen an den kurzen Seiten versehen. – Die Pflege des Düngers ist von besonderer Wichtigkeit. Es muß möglichst verhindert werden, daß Dungstoffe verloren gehen, namentlich daß der wertvollste Bestandteil, die Jauche, abfließt und das gasförmige Ammoniak verflüchtigt. Der Dünger darf nicht austrocknen; daher sammelt man die durch den Druck ausgepreßte Jauche in einem wasserdicht gemauerten Jauchebrunnen an der tiefsten Stelle der Dungstätte und pumpt sie von dort immer wieder über den Dung. Man bedient sich hierzu einer Kettenpumpe und hölzerner verstellbarer Rinnleitungen oder einer Gartenspritze mit Schlauch. Dem Jauchebrunnen gibt man, je nachdem Trocken- oder Schlempefütterung eingeführt ist, eine Grundfläche von 1/30–1/20 der Größe der Miststätte und eine Tiefe von 1,60–1,80 m unter der Sohle der Dungstätte. Der Jauchebrunnen soll am Rande der Miststätte derart gelegen sein, daß sowohl die Jauche von dieser als auch diejenige aus dem Stalle unmittelbar eingeleitet werden kann. Um das Versickern flüssiger Dungstoffe im Untergrund und eine Verjauchung des Grundwassers zu verhüten, wird die Sohle der Dungstätte, wo nicht der Boden an sich undurchlassend ist, mit einer 25–30 cm starken Schicht fetten Tones, darüber Steinpflaster, möglichst wasserdicht hergestellt.

Die zuweilen angewendete Ueberdachung der Dungstätten, um den Dünger in besserer Beschaffenheit zu erhalten, kann unter Umständen mehr schaden als nützen, weil sie die Austrocknung des Düngers befördert; sie ist nur da zu empfehlen, wo in Ermanglung von Stroh Moorboden zur Mischung (Kompostierung) angewendet wird, um die flüssigen Dungstoffe aufzusaugen, und es darauf ankommt, den Moorboden trocken und damit aufnahmefähig zu erhalten. Bedeckung des Düngers mit einer dünnen Erdschicht ist der Ueberdachung vorzuziehen. – Sehr empfehlenswert ist die Einfriedigung der Dungstätte mit niedrigen Mauern, die den Luftzug hindern, und die Umpflanzung mit schattengebenden Bäumen. Sie eignet sich dann besonders zum Viehring, auf dem man das Vieh, namentlich die Kühe, bei gutem Wetter Tag und Nacht stehen läßt. Das Vieh hält sich im Freien bei mäßiger Bewegung gesünder als im Stall, der Dünger wird gleichmäßig geschichtet und festgetreten, auch die Arbeit des Ausmistens gespart. Ein Beispiel einer Dungstätte für 100 Haupt Großvieh geben obenstehende Figuren. Die rechteckige Dungstätte liegt mit der Längsachse parallel dem Viehstall. Das Gefälle ist in drei Ebenen nach dem Jauchebrunnen angeordnet, in den auch der Jaucheabfluß des Stalles mündet. Die beiden Langseiten erhalten Einfriedigungsmauern. An der Stallseite sind Pforten zum Einbringen des Düngers angelegt. Die Durchfahrt erfolgt nach der Länge. Die kurzen Seiten sind durch bewegliche Schranken geschlossen.


Literatur: Rueff, A. v., Bau und Einrichtung der Stallungen u.s.w., Stuttgart 1875; v. Tiedemann, Das landw. Bauwesen, Halle a. S. 1898.

v. Tiedemann.

Fig. 1., Fig. 1a.
Fig. 1., Fig. 1a.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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