Blumengehänge

Blumengehänge

Blumengehänge, Festons oder Girlanden, bestehen aus künstlich zusammengefügten Blättern, Blumen und wohl auch Früchten, die bandartig um Architekturteile herumgelegt erscheinen oder an fetten Punkten aufgehängt werden.

[95] In klarer Darstellung sehen wir dieses Ornament zum ersten Male im römischen Stile auftreten, obwohl man auch schon in der griechischen Bauweise spärliche Anwendungen von Blumengirlanden findet. In mannigfaltigster Anordnung verwendete sie die pompejanische Wandmalerei; dort winden sie sich an den Säulchen hinauf, spannen sich von Geschränke zu Geschränke und füllen leere Wandflächen in zierlicher Weise aus. Aber auch in der monumentalen Architektur kommen Festons nicht selten, namentlich auf Friesen, vor; so sind sie sehr häufig zwischen Stierköpfen angebracht (Vestatempel zu Tivoli), oder sie werden von Putten gehalten und erscheinen an Kandelabern befestigt (Tempel der Fortuna virilis in Rom) oder es wird ein kurzes Gehänge an zwei Punkten beteiligt und von Bandwerk umflattert (Fig. 1). Letztere Anwendung ist namentlich typisch geworden und fand sowohl in der Renaissanceperiode als auch in moderner Zeit sehr häufige Verwendung. Diese Art von Festons eignet sich namentlich sehr gut zu einer wirkungsvollen plastischen Dekoration kleiner neutraler Felder. Zu diesem Zweck erscheint das Blumengehänge an seinen beiden Anfängen von Hülsen erfaßt und mit einer Schleife an einem Nagel befestigt, die Enden der Bänder fallen lose herab und füllen noch etwaige leere Räume des Feldes aus, das eigentliche Gehänge bildet eine elastische Linie und ist in der Mitte bedeutend dicker. Oberhalb der Einbiegung wurde häufig der leere Raum durch einen schönen Frauenkopf oder durch eine Satyrmaske belebt. Die Renaissancezeit wußte die dem römischen Stile entnommenen Formen des Blumengehänges in reizendster Weise nachzubilden und nach verschiedenen Richtungen hin zu bereichern und zu erweitern, so daß eine ganze Fülle von verschiedenartigen Formen des Gehänges entstanden, die sich besonders in der dekorationslustigen Frührenaissance großer Beliebtheit erfreuten und auch in den modernen Stil übergingen (Fig. 2).

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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