Gebirgsfluß


Gebirgsfluß

Gebirgsfluß, kleinerer bis größerer Wasserlauf im Gebirgs- oder Hügelland mit bisweilen beträchtlicher Geschwindigkeit, entsprechend dem starken, den Betrag von 1/500 = 2‰ meist überschreitenden durchschnittlichen relativen Gefälle; bisweilen Gefällskonzentrationen aufweisend, für Ausnutzung der Wasserkräfte nicht selten gut geeignet.

Infolge der periodisch stark wechselnden Wasserstände und entsprechend oft beträchtlicher Sinkstoff- und Geschiebebewegung ist das Flußbett häufigen Aenderungen unterworfen. Die Gebirgsflüsse sind meist nicht schiffbar oder es ist ihre Schiffahrt und Flößerei von untergeordneter oder sehr geringer Bedeutung. Der Gebirgsfluß entsteht aus der Vereinigung von Gebirgsbächen und Wildbächen und bildet meist nach Vereinigung mit andern Gebirgsflüssen den Oberlauf von Flüssen und Strömen der Niederung und des Tieflandes. Die Geschiebebewegung (Dynamik der Sinkstoffe) geht sowohl im Einzel- als auch namentlich im Massentransport vor sich. Bei Gebirgsflüssen ist die streckenweise der verschiedenen Wassergeschwindigkeit entsprechende Sortierung des Geschiebes auch nach der Breitenausdehnung eine sehr auffallende. Im Oberlauf mit dem größten relativen Gefälle findet sich das größte Kaliber vor. Dieses nimmt sukzessive an Größe ab mit dem sich gegen die untere Flußstrecke hin verflachenden Gefälle. Im Flußschlauch bezw. in der Rinne des reißendsten Wassers (dem Talweg bei Flüssen der Niederung und Strömen entsprechend) findet sich das größte (gröbste) Geschiebe[321] im gleichen Flußquerschnitt. Gegen die Ufer hin wird dasselbe kleiner, und an flachen Ufern besteht es aus feinerem Kies und mehr Sand. Das Kolken (s. Auskolkung) an der Sohle und an Fundamenten von Einbauten sowie die entsprechende mit der Geschiebebewegung eintretende flußabwärtige Vergrabung von in das Flußbett gelangenden festen Gegenständen ist eine charakteristische Erscheinung in Gebirgsflüssen. – Beispiele von Gebirgsflüssen sind: die Isar, der Inn, die Etsch, sodann die Aare von Thun bis zum Rhein, die Rhone oberhalb und ebenso auf einer bedeutenden Strecke noch unterhalb des Genfersees sowie der Rhein oberhalb des Bodensees von Thusis bezw. Ilanz abwärts; derselbe behält auch den Charakter eines solchen bis gegen Straßburg hin bei trotz streckenweise kleineren Gefälles, nicht zum geringsten Teil infolge seiner Aufnahme unterhalb jenes »Schwäbischen Meeres« verschiedener Gebirgsflüsse, wie Thur, Töß, Aare, Birs, Wiese u.s.w., und einer zeitweise bedeutenden Geschiebeführung.

Hilgard.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Maira — Maira, 1) rechter Nebenfluß des Po; entspringt unweit Reaz in der piemontesischen Provinz Cuneo, nimmt bei Cavaller Maggiore die Grana auf u. mündet unweit Lumbriasco; 2) (Mera), Gebirgsfluß; entspringt auf dem Septimer im Schweizercanton… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Tanalīk — Tanalīk, Gebirgsfluß im russischen Gouvernement Orenburg, entfließt dem Uralgebirge u. fällt in den Uralfluß …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Tschriāli — Tschriāli, Gebirgsfluß, entspringt im Kaukasus, fällt in den Rioni …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Tzqualtzitela — (Tzqal tzitela), kaukasischer Gebirgsfluß, fällt im russischen Gouvernement Kutaïß in den Rioni …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Arve [1] — Arve, Gebirgsfluß in Savoyen, der in der Provinz Faucigny am Col de Balme entspringt u. der Rhone zufließt. In die A. mündet nach kurzem Laufe der Arveron (Arveiron), welcher, aus dem Thauwasser des Glacier de Bois entstehend, am untersten Ende… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Kochel — Kochel, 1) Gebirgsfluß im Riesengebirge, im Kreise Hirschberg des Regierungsbezirks Liegnitz der preußischen Provinz Schlesien, der in der Nähe des Schreibershauer Vitriolwerks den 52 Fuß hohen Kochelfall bildet; 2) Dorf am Kochelsee in… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Arc [2] — Arc, 1) reißender Gebirgsfluß im südöstlichen Frankreich (Savoyen), rechter Nebenfluß der Isère, entspringt 2188 m hoch an der Levanna und mündet nach einem Laufe von 150 km Länge bei Chamousset. Sein infolge Verwüstung der Wälder meist von… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Arve [2] — Arve, Gebirgsfluß in Savoyen, entspringt auf dem Col de Balme, durchströmt das Chamonixtal, tritt, nachdem er mehrere Bergflüsse (Giffre, Ménoge u.a.) aufgenommen, in den Kanton Genf und mündet nach 100 km langem Lauf unterhalb Genf in die Rhone …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Bastan — (Gave de Barèges), Gebirgsfluß im franz. Depart. Oberpyrenäen, der das gleichnamige, von steilen Bergen umschlossene Tal (mit dem berühmten Badeort Barèges) 14 km lang durchströmt und bei Luz in den Gave de Pau mündet …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Euphrat — (bei den Persern Ufratu, bei den Hebräern Phrat, bei den Syrern Ephrat, bei den Arabern El Fára), größter Strom Vorderasiens, entspringt auf dem armenischen Hochland in zwei Quellströmen, einem nördlichen, Karasu (westlicher E.), der im N. von… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon