Finsternisse und Bedeckungen


Finsternisse und Bedeckungen

Finsternisse und Bedeckungen, Phänomene am Himmel, die durch die gegenseitige Stellung der Gestirne untereinander und in ihrem Verhältnis zur Erde bedingt werden. Unter Finsternissen versteht man den Eintritt eines Mondes in den Schatten seines Hauptkörpers oder umgekehrt; während man von Bedeckungen streng genommen eigentlich nur sprechen sollte, wenn wirklich von einem Punkt der Erde aus gesehen ein Himmelskörper in die Verbindungslinie zwischen Erde und einen andern Körper des Sternenhimmels tritt. Insofern sind also auch die gewöhnlich als Sonnenfinsternisse bezeichneten Phänomene Bedeckungen.

Beide Arten von Ereignissen haben, abgesehen von ihrer Bedeutung für manche Fragen der physischen Astronomie (Frage nach Atmosphären der Planeten oder Monde u.s.w.), auch einen gewissen Wert für mancherlei Bestimmungen, welche die theoretische und sphärische [39] Astronomie angehen. Diese Punkte einzeln und ausführlicher zu behandeln, gehört nicht in den Rahmen dieses Lexikons, sondern die ganze Materie kann nur aus den Lehrbüchern der Astronomie genauer kennen gelernt werden. Hier soll nur darauf hingewiesen werden, daß z.B. die beiden Phänomene sich prinzipiell noch dadurch unterscheiden, was für ihre Ausnutzung für die Zwecke der geographischen Längenbestimmung (s.d.) von besonderer Bedeutung ist, daß die zuerst genannten gewissermaßen für die Bewohner der Erde objektive Phänomene sind, d.h. für alle Erdorte, an denen sie überhaupt sichtbar sind, werden sie im absolut gleichen Momente wahrgenommen. Diejenigen der zweiten Art aber sind wegen der nicht unendlichen Entfernung der sie erzeugenden (bedeckenden) Himmelskörper erstens nicht für alle Erdorte in gleicher Weise, d.h. mit gleicher Phase (totale, partiale und ringförmige Sonnenfinsternisse) und nicht überall auf der Erde sichtbar, und zweitens ist der Moment ihrer Wahrnehmbarkeit wegen der Größe der Erde im Verhältnis zur Entfernung des bedeckenden Körpers an den Orten, an denen das Phänomen überhaupt sichtbar ist, nicht der gleiche. (Es finden durch die Parallaxe und die Lage des Ortes auf der Erde bedingte Verschiedenheiten statt.)

Würden die Finsternisse (Mondfinsternisse, Finsternisse der Jupitermonde) mit größerer Schärfe beobachtbar sein, so hätte man in ihrer Beobachtung ein vorzüglich geeignetes Mittel zur geographisch-astronomischen Längenbestimmung. So aber liefern tatsächlich die Bedeckungen der Sonne, der Fixsterne durch unsern Erdmond, obgleich eine ziemlich umständliche Rechnung sowohl zu ihrer Vorherbestimmung als auch zur späteren Auswertung von dergleichen Beobachtungen erforderlich ist, die weit besseren und zweckmäßigeren Resultate.


Literatur: Die Lehr- und Handbücher der mathematischen Geographie enthalten Angaben über die Ausnutzung der Finsternisse und Bedeckungen für die Zwecke der geographisch-astronomischen Ortsbestimmung. Ausführliches darüber ist in den Lehrbüchern der sphärischen Astronomie von Sawitsch, Brünnow und Chauvenet zu finden. Das Handbuch der geographischen Ortsbestimmung von W.F. Wislicenus sowie alle astronomischen Jahrbücher geben einfache und zweckmäßige Vorschriften für die Vorausberechnung der betreffenden Phänomene und für die Berechnung der Längen aus Beobachtungen derselben. Die Jahrbücher geben auch mehr oder weniger ausführlich die dazu nötigen astronomischen Daten (sogenannte Elemente der Verfinsterungen). Für einen kleineren Teil der Sternbedeckungen gibt C. Steckert in den Annalen der Hydrographie jedes Jahr bequeme Hilfstafeln. Historisch ist der Stoff in dem Handbuch der Astronomie u.s.w. von R. Wolf, Zürich 1891, und besonders mit Bezug auf die Literatur in der Bibliographie von Hauzeau und Lancaster, Brüssel 1882, behandelt. Die Grundlage der strengen Theorie hat vor allem Bessel in seiner »Analyse der Finsternisse« (Astronomische Untersuchungen) geliefert.

Ambronn.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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