Wasserleitung


Wasserleitung

Wasserleitung, das Gerinne für das zu bestimmten Zwecken, vorzugsweise zur Städteversorgung beizuführende Wasser.

Das Gerinne ist entweder eine offene Leitung, bei welcher der Spiegel unter atmosphärischer Pressung steht (Gräben bezw. offene Kanäle s. Querprofil der Flüsse und Kanäle, gemauerte Kanäle s. Kanalisation der Städte, nicht ganz vollaufende Röhren) oder eine ganz vollaufende geschlossene Rohrleitung mit größerer innerer Pressung (s. Druckleitung, Rohre, Rohrleitungen, Rohrnetz, Rohrverbindungen). Berechnung der Druckverluste, Dimensionen u.s.w. ist in den genannten Artikeln nachzusehen. Bei sehr großen Wassermengen und einer Bodengestaltung, welche keine größeren Aquädukte, (s.d.) bedingt, sind offene Leitungen vorzuziehen, besonders, wenn sie ein vor der Verwendung noch zu reinigendes Rohwasser beiführen. Führen sie reines Wasser, so ist letzteres durch Ueberdeckung der Leitung mit Platten oder Gewölben gegen Verunreinigungen und schädliche Temperaturschwankungen (Gefrieren, Warmwerden) zu verwahren; in diesem Falle werden die Gerinne manchmal auch in begehbare Galerien (Stollen) gelegt. Näheres in [1] 46–48. – Für Trinkwasser und überhaupt für kleinere Wassermengen stehen fast ausnahmslos Rohrleitungen in Verwendung. Der Transportpreis pro Kubikeinheit Wasser ist bei gleichem Gefälle um so geringer je größer die Wassermenge ist und umgekehrt. Für ein bestimmtes Wasserquantum ist unter sonst gleichen Umständen eine einzige Leitung stets erheblich billiger als zwei oder[849] mehrere. Zum Schutz gegen Frost erhalten die Rohrleitungen im gemäßigten Klima eine Erdüberdeckung von 1,2–1,4 m; bei Gartenleitungen oder ähnlichen Anlagen, die nur in der wärmeren Jahreszeit benutzt werden, beträgt die Ueberdeckung seiten mehr als 0,8 m. In Gebirgsgegenden ist häufig das Gefälle der Einzelleitungen, welche z.B. verschiedene Quellen zusammenführen, so groß, daß man zur Vermeidung zu tiefer Grabungen oder unzulässiger Geschwindigkeiten in den Röhren Absturzschachte etwa im Sinne der Fig. 1 anordnet. Bei Gefällsänderungen offener Leitungen sind an den Brechpunkten Uebergangsschachte, ähnlich wie Einsteigeschachte (s.d.) angeordnet, erforderlich. Stoßen mehrere geschlossene Leitungen zusammen, die von verschieden hoch gelegenen Behältern gespeist werden, so sind die Dimensionen der einzelnen Leitungen so zu wählen, daß die entstehenden Kosten ein Minimum werden (vgl. [1], § 46). Von Bedeutung ist die Dichtigkeit der Wasserleitungen, besonders der in die Wohnhäuser führenden (Hauswasserleitungen). Man überzeugt sich von derselben bei ausgeführten Anlagen mittels des sogenannten Hydrophons (Wasserphons), das in Fig. 2 dargestellt ist. Ein Stahlstab b wird an der Stelle c mit der Leitung (bezw. einem Schieber u.s.w.) in Berührung gesetzt; bei a befindet sich eine Membrane, die ertönt, wenn der Stab vibriert, was anderseits Wasserbewegung im Rohr anzeigt, die bei geschlossenen Schiebern nicht stattfinden könnte, wenn die Rohrleitungen dicht wären. Näheres in [2]. Neuerdings werden in vielen Wohnhäusern für Wasserentnahme in allen Stockwerken auch Warmwasserleitungen hergestellt; sie erhalten in diesem Falle, ähnlich wie bei den Warmwasserheizungen, am obersten Ende ein Ausdehnungsgefäß (s. Bd. 5, S. 26) und meistens auch einen sogenannten Zirkulationsständer, der als Warmwasserbehälter dient; vgl. a. Herdschlange und [3].


Literatur: [1] Lueger, Wasserversorgung der Städte, Darmstadt 1895. – [2] Portefeuille économique des machines, S. 3, Bd. 9, 1884, S. 166. – [3] Handbuch der Architektur, Teil 3, Bd. 4, 2. Aufl., 1892.


Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.

Synonyme:

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