Parallelwerk


Parallelwerk

Parallelwerk (Leitwerk, Leitdamm, Richtwert, Streichwerk), ein im Flußbette, in der herzustellenden, zukünftigen Uferlinie (Streichlinie) ausgeführter, im allgemeinen freistehender Damm mit Queranschlüssen zum natürlichen Ufer (vgl. Bd. 4, S. 120, Fig. 1). Es gehört wie die Bühne (s.d.) zu den Flußeinschränkungsbauten behufs Einengung übermäßig breiter Flußstrecken auf die Normalbreite (s.d.) oder Bewirkung von Verlandungen ausgeschalteter Teile des Flußbettes.

[40] Ueber die Anwendung der Parallelwerke s. Flußregulierung, Bd. 4, S. 119, und Gebirgsflußregulierung, Bd. 4, S. 321. Hinsichtlich der Bauart ist das Parallelwerk (sowie auch die Bühne) entweder massiv, dicht oder schwebend, durchlässig.

1. Ununterbrochene massive Parallelwerke, deren Krone höher als der Hochwasserspiegel des Flusses liegt (insubmersible Leitwerke), bilden das fertige Ufer des korrigierten Flusses; vgl. Uferdeckwerke. Liegt die Krone der Parallelwerke tiefer, so können – je nach dieser Lage – überströmende trübe oder auch geschiebeführende Wässer zur Auflandung benutzt werden (submersible Leitwerke); diese Bauten sind unfertig und werden erst nach genügender Verlandung der Altwasser zum endgültigen Uferdeckwerk ausgestaltet. Die Verlandung schreitet bei ununterbrochenen Leitwerken mit Kronenlage auf Mittelwasser, die wenig Geschiebe übertreten lassen, sehr langsam voran, besteht aber dann in der Ablagerung seinen, landwirtschaftlich gut brauchbaren Schlicks. Liegt die Krone auf Niederwasser oder wenig darüber, so ergibt sich der Uebelstand zu häufiger Ueberflutung des abgebauten Flußteiles mit ungetrübtem Wasser; dagegen liefern die Hochwasser mächtigere Ablagerungen von Kies und Schlamm in die Altwasserbecken. Will man das letztere nur an bestimmten Orten erreichen, so läßt man wohl in einem längeren Parallelwerk stellenweise Lücken oder Breschen im Damm (Verlandungsöffnungen) frei. Der ganze Vorgang ist derselbe wie bei der Kolmation (s.d.). Hierher gehörige Ausführungsformen sind: a) die reine Steinschüttung; b) Steinschüttung mit einem Kern aus kleinerem, billigerem Material, wie Kies (vgl. [2] und Bd. 4, S. 121, Fig. 5); c) Körper aus Senkfaschinen mit Steinumschüttung an den Außenseiten (vgl. [2] und Bd. 4, S. 121, Fig. 4); d) Packwerk; e) Steinkasten; f) Sinkwalze oder Senkwurst. Die umfassendsten Parallelwerksbauten sind am deutschen Oberrhein von Basel bis zur hessischen Grenze ausgeführt. In Fig. 1 geben wir die Anordnung am elsässischen Ufer wieder. Die Dammkrone liegt hier etwas höher als der Vollwasserstand vom Juni; auf der Rückseite sind in Höhe des mittleren Juniwasserstandes Weidenstecklinge angebracht, hinter welchen die höheren Wasserstände den fruchtbaren Rheinschlick in großen Masten zur Ablagerung bringen, wodurch große Flächen landwirtschaftlich nutzbaren Geländes gewonnen worden sind.

2. Bei der schwebenden und durchlässigen Bauweise ist einerseits die Sohle unter dem Einbau, freigelassen, anderseits sind in letzterer zahlreiche Oeffnungen angebracht, so daß durch Einschwemmen des Geschiebmaterials und der schwereren Sinkstoffe in den abgebauten Flußteil eine raschere Verlandung erzielt wird. Diese Anlagen bewirken zu demselben Behufe nur eine Ermäßigung der starken Strömung hinter dem Werke, indem sie von dem Flußspiegel weg mehr oder weniger tief abwärts zur Sohle untertauchen. Diesbezügliche Ausführungen sind: a) das Gehänge von Wolf (Bd. 4, S. 345); b) ähnliche Gehänge aus bloßem Strauchwerk oder aus Strauchgeflecht [3], Blatt 4; c) Pfahlwerk mit teilweiser Bohlenwand (Fig. 2); d) schwimmendes Leitwerk aus mehreren zusammenhängenden Baumstämmen oder Bäumen, die entsprechend beschwert und am Anfang und Ende gehörig verankert sind, so z.B. an Steinkasten befestigt; e) eiserne Drahtgitterwände von Döll [4]. Parallelwerke gestatten in kürzester Zeit die Herstellung eines regelmäßigen Flußbetts bestimmter Abmessungen; letztere sind aber damit unveränderlich festgelegt, müssen also vor Anlage des Werkes genau erwogen werden. Sie erfordern gut gesicherte Böschungen gegen die Angriffe des Wassers (hauptsächlich am Uebersturz) und besondere Vorsichtsmaßregeln gegen die gefährlichen Hinterströmungen, werden deshalb relativ teuer in Anlage und Unterhaltung, haben sich aber sowohl bei Gebirgsflüssen als auch bei Niederungsströmen gut bewährt und werden vielfach so verwendet, daß man sie am konkaven Ufer anbringt, am gegenüberliegenden konvexen Ufer dagegen Bühnen anordnet (Verbundsystem); vgl. [1], [5], [6].


Literatur: [1] Handb. d. Ing.-Wissensch., 3. Teil, Bd. 6, Flußbau, Leipzig 1907. – [2] Deutsche Bauztg. 1888, S. 336. – [3] Roloff, Nordamerik. Wasserbauwesen, Berlin 1895. – [4] Döll, Regulierung geschiebeführender Wasserläufe, Leipzig 1896. – [5] Zeitschr. d. Oesterr. Ing.- und Arch.-Ver. 1894, S. 343, 353, 360. – [6] v. Hohenburger, Die Murregulierung in Steiermark, Wien 1894.


Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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