Messing [1]


Messing [1]

Messing (Gelbkupfer, Gelbguß, Latun), eine Kupferzinklegierung (s. Legierung) von hellgelber bis goldgelber Farbe und innerhalb bestimmter Grenzen wechselndem Zinkgehalt, je nach der Anwendung, die das Messing finden soll.

Fischer [1] gibt für verschiedene Messingarten folgende Zusammensetzung an:


Messing [1]

Bei geringerem Zinkgehalt besitzt das Messing eine rötlichgelbe dunklere, bei höherem eine hellere gelblichere Färbung; es oxydiert sich nicht so leicht wie Kupfer, schmilzt niedriger – etwa bei 850° –, ist in kaltem Zustand hämmerbar, dehnbar, läßt sich walzen und zu Draht ausziehen, ist in geschmolzenem Zustand dünnflüssiger als Kupfer, wird beim Erstarren nicht blasig und liefert daher einen guten Guß. Je nach den gewählten Mengenverhältnissen von Kupfer und Zink lassen sich Legierungen erzeugen, welche die eine oder andre der angeführten Eigenschaften in erhöhtem Maße besitzen, und hieraus erklärt sich die vielfache technische Anwendung des Messings. – Das Messing wurde früher durch Zusammenschmelzen von Galmei, Kohle und Schwarzkupfer gewonnen. Durch die erste Schmelzung (Arkoschmelze) stellte man eine Legierung mit nur 20% Zink (Rohmessing, Arko) her, die man sodann durch Umschmelzen mit reinem Zink zu Messing verwandelte. Jetzt schmilzt man ganz allgemein metallisches Zink mit Garkupfer in den gewünschten Verhältnissen häufig unter einer Decke von Borax in Graphittiegeln zusammen. Man hat eine Reihe von Messingsorten, wie Gußmessing, Neumessing, Tafelmessing, denen sich zahlreiche Legierungen anschließen.

[371] Bei dem Gußmessing unterscheidet man: a) ordinäres Gußmessing (Roh-, Stückmessing) ein hartes und sprödes Material von hohem Zinkgehalt, weiches, durch einen Zusatz von Blei (1–2%) zur Bearbeitung auf der Drenbank geeignet gemacht, zum Gießen von Maschinenteilen und ordinärem Kunstguß verwendet wird; b) zähes Gußmessing, namentlich für die Bedürfnisse der chemischen Industrie, für Röhren und sonstige Apparate, von hohem Kupfergehalt, daher geschmeidig und widerstandsfähig gegen saure und alkalische Flüssigkeiten; c) Gußmessing für den Kunstguß, zeichnet sich durch schöne Farbe und hohe Politurfähigkeit aus und liefert einen scharfen und blasenfreien Guß. Hierhin gehören das Cuivre poli (mit hohem Kupfergehalt), das im Aussehen dem Werkgold ähnliche Chrysorin, aus 2 Teilen Kupfer und 1 Teil Zink bestehend, und das Bath- oder Prinzmetall von gelblichweißer Farbe, welches, wie das Weißmessing (Platina) oder das Lüdenscheider Knopfmetall, zu Knöpfen, Leuchtern, Teekannen u.s.w. verarbeitet wird und in seiner Zusammensetzung zwischen 45 bis 80 Teilen Zink und 55 bis 20 Teilen Kupfer schwankt. Zu diesen sind noch Legierungen, wie Semilor, Oreide, Mannheimer Gold, Pinchbak, von goldähnlicher Farbe, aber geringer Anwendung zu zählen.

Verschieden von diesen Gußsorten sind das hämmerbare Messing, Neumessing oder Yellowmetall, das bei der Glühhitze sich hämmern, schmieden und walzen läßt und durch Zusammenschmelzen von 40 Teilen Zink mit 60 Teilen Kupfer erhalten wird. Eine Abart hiervon ist das Muntzmetall, das in England zu Schiffsbeschlägen, Schiffsnägeln und Bolzen verwendet wird und aus 32–45% Zink, 50–63% Kupfer und etwa 5% Eisen besteht. Hierhin gehören noch das Deltametall, 60 Teile Kupfer, 38,2 Teile Zink, 1,8 Teile Eisen, das Sterrometall, welches eine ähnliche Zusammensetzung besitzt, aber härter ist, und das Aichmetall. Diese eisenhaltigen Kupferzinklegierungen werden hergestellt, indem man Eisen oder auch Ferromangan zunächst mit Zink legiert, da geschmolzenes Zink bis zu 5% Schmiedeeisen bezw. 9% Ferromangan aufzulösen vermag, und dann die Schmelze dem Kupfer zusetzt. Bei dem Aluminiummessing ist das Eisen durch Aluminium (1–3%) ersetzt.

Das Messing zur Fabrikation von Messingblech (Klempnerblech) und Messingdraht enthält etwa 27–30% Zink und muß namentlich frei von Verunreinigungen, wie Wismut, Arsen, Antimon, Zinn, Blei, Eisen, sein, welche die Dehnbarkeit und Geschmeidigkeit des Materials beeinträchtigen würden. Die Messingbleche haben sehr verschiedene Stärken (von 17 bis 0,01 mm) und werden dementsprechend als Tafelmessing, Bugmessing (von der umgebogenen und flach zusammengelegten Form) und in den schwächsten Sorten, die aufgerollt in den Handel kommen, als Rollmessing bezeichnet. Aus Messingblech werden mittels Stampfen verschiedene Kunstgegenstände geformt und, nachdem sie geglüht sind, in den Pökel (verdünnte Schwefelsäure) gebracht, woselbst sie eine rote Farbe annehmen, die aber durch Eintauchen in verdünnte Schwefelsäure sich wieder in gelbe umwandelt. Zum Vorbrennen legt man die Gegenstände in die aus Schwefelsäure, Salpetersäure und etwas Ruß bestehende Blankbeize, und für den Fall, daß sie glanzlos bleiben sollen, in die aus Salpetersäure und etwas Schwefelsäure mit wenig salpetersauerm Zinkoxyd bestehende Mattbeize. Ganz dünnes Messingblech ist das sogenannte Rausch- oder Knistergold (s.a. Blech, Bd. 2, S. 45).

Eine dem Messing ähnliche Legierung, das Tombak (Rotmessing, Rotguß, Rotmetall), aus etwa 85 Teilen Kupfer und 15 Teilen Zink bestehend, findet ebenfalls in Blechform vielfache Verwendung und wird unter entsprechenden Bezeichnungen, wie Tafeltombak, Bugtombak, Rolltombak, in den Handel gebracht. Die feinsten Tombakbleche dienen zur Herstellung von unechtem Blattgold (Goldschaum), das namentlich in Nürnberg und Fürth verarbeitet wird.

Das in Graphittiegeln geschmolzene Messing wird, wenn es zum Auswalzen bestimmt ist, zwischen Eisenplatten gegossen; das Produkt (Tafelmessing) wird entweder in Streifen (zur Drahtfabrikation) oder in quadratische Stücke zerschnitten (Beckenmessing, Beckenschlägerlatun) oder es wird zu Messingblech ausgewalzt, nachdem es vorher (d.h. vor jedem Durchgang durch die Walzen) über Holzfeuerung geglüht wurde. Dem aus den Walzen kommenden Blech haftet noch eine Oxydschicht an (schwarzes Blech); durch Beizen mit Schwefelsäure und Scheuern mit nassem Sande wird dieselbe entfernt (gebeiztes Blech); die gebeizten Bleche werden sodann nach Bedarf einseitig oder zweiseitig geschabt, eventuell durch Polierwalzen gezogen (geglänzt). Die Messingschnitzel (das Schlosserlatun) werden zum Löten gebraucht. Der Messingguß nach Modellen ist identisch mit jenem der Bronze (s. Bd. 2, S. 311). Die Dehnbarkeit des Messings nimmt zu mit dem Kupfergehalte, die Härte und Fertigkeit mit dem Zinkgehalte, solange letzterer 45% nicht übersteigt. In Deutschland bestehen jetzt etwa 30–40 Messingwalz- und -hüttenwerke zur Herstellung von Blech und Draht, etwa 200 Messinggießereien und 8 Werke für Messingröhren (s. Rohre). Der Preis pro Kilogramm schwankt je nach der Zusammensetzung des Messings zwischen 1,50 und 2,50 ℳ. Bezugsquellen: Hupertz & Harkort, Düren; Ludwigshütte bei Kattowitz, Oberschlesien, u.a. Vgl. a. Bronze.


Literatur: [1] Fischer, F., Handbuch d. chem. Technol., Leipzig 1893, S. 264 ff. – [2] Ledebur, Die Legierungen in ihrer Anwendung s. gewerbl. Zwecke, 3. Aufl., Berlin 1906. – [3] Gurnik, G., Das Messingwerk, Wien 1908.

(W. Kerp) Rathgen.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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