Kilometerphotographie


Kilometerphotographie

Kilometerphotographie (Rotationsphotographie), Verfahren zur Herstellung von Massenauflagen photographischer Bilder auf Bromsilbergelatinepapier (Chlorbromsilbergelatinepapier u.s.w.) mittels Maschinen.

Als Erfinder der Kilometerphotographie ist wohl der Ingenieur Schlotterhoß in Wien zu betrachten, welcher 1883 den ersten Kopierautomaten für moderne Emulsionspapiere konstruierte. Das Verfahren wird heute in besonderen Fabrikbetrieben (die hervorragendsten deutschen sind: Neue photographische Gesellschaft in Berlin-Steglitz, Rotophot in Berlin, Aristophot in Leipzig-Taucha, Neue photographische Gesellschaft in Wien) zur Anfertigung von Ansichtskarten, Buchbeilagen, Städtebildern, Kunstblättern (Gemäldereproduktionen u.s.w.), ferner von Reklameplakaten, Bildern für gewerbliche Zwecke (für Bonbonnieren, Zigaretten- und Schokoladeemballagen u.s.w.) durchgeführt, und man bedarf hierbei eines umfangreichen[470] Apparates. Die Rotationsphotographie ist ferner sehr wohl geeignet, mit einzelnen graphischen Druckverfahren (z.B. mit dem Lichtdruck, s.d.) bei der Anfertigung monochromer Bilder erfolgreich in Wettbewerb zu treten. – Bei der Durchführung der Kilometerphotographie müssen zunächst möglichst vollkommene Negative hergestellt und einer äußerst sorgfältigen Retusche unterzogen werden, die sich hauptsächlich auf das Arbeiten mit dem Schabmesser (das Ausspellen) erstreckt. Sodann werden die Negative, nach Glasdicke und Größe geordnet, mit schwarzen geleimten Papierstreifen, mit der Schichtseite nach oben, auf einer großen Spiegelglasplatte vom Aufspanner aufgeklebt. Diese Form, der Rahmen, wandert nun zum Ausgleicher, welcher nach Probekopien behufs Erzielung gleicher Kopierresultate durch Aufkleben von Seidenpapierblättern die Verschiedenheit in der Dichte der einzelnen Negative ausgleicht. Dadurch können in derselben Expositionszeitspanne gleich kräftige Kopien erhalten werden. Der Rahmen gelangt hierauf in die gewöhnlich elektromotorisch angetriebene Belichtungsmaschine. In dieser läuft von einer etwa 3/4 m breiten Rolle ein ungefähr 1000 m langer Strang von Bromsilbergelatinepapier intermittierend ab. Während des Stillstands der Rolle wird ein entsprechendes Stück gegen die (zum Schütze gegen das Verscheuern mit hartem Zaponlack überzogenen) Negative gepreßt (mittels elastischer Kissen, Stahlplatten, Luftpolstern, federnden Preßplatten u.s.w.), wobei durch gleichzeitiges Aufleuchten (in bezug auf die Dauer regulierbar) elektrischer Glühlampen (bezw. bei dem weniger empfindlichen Chlorbromsilbergelatinepapier durch die periodische Entblendung des Lichtes von kontinuierlich brennenden starken Bogenlampen) die Exposition erfolgt, worauf der Papierstrang auf einem Haspel wieder aufgerollt wird. Die Rolle kann auch unmittelbar in. die Entwicklungsmaschine einlaufen. Das belichtete Papierband passiert hier zunächst Entwicklerbäder (z.B. mit Eisenentwickler, aber auch organische Entwickler, wie Metholhydrochinon, Edinolentwickler), dann eventuell Unterbrechungsbäder (mit verdünnter Essigsäure) und Waschvorrichtungen, in welchen durch Brausen der Papierstrang auf beiden Seiten energisch abgespritzt wird. Schließlich ist eine Trockenvorrichtung vorgesehen. Der Papierstrang wird stellenweise von Holzstäben, die auf einer endlosen Kette laufen, so unterfangen, daß sich einige Meter lange herabhängende Schleifen bilden, welche während des Weitertransportes von heißer Luft bestrichen werden, so daß am Ende des Arbeitsraumes das Papierband, vollkommen trocken, aufgerollt werden kann. Die Bilder brauchen dann nur mehr zerschnitten und sortiert, eventuell vorher durch Gelatinieren oder in andrer Weise mit Hochglanz versehen zu werden. – Es existieren übrigens heute auch schon zahlreiche Schnellkopierapparate für den Handbetrieb. Sie dienen allerdings nur zum Kopieren (zumeist kleiner Bilder); die Entwicklung, das Fixieren u.s.w. muß wie gewöhnlich vorgenommen werden.

A.W. Unger.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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