Ankerspill [1]

Ankerspill [1]

Ankerspill. Die Ankerspille sind hand- oder dampfgetriebene Winden mit vertikaler oder horizontaler Antriebswelle zum Einhieven der Ankerkette an Bord der Schiffe.

Das Gangspill, auch Spakenspill genannt, besteht in der Hauptsache aus einer vertikalen Welle mit Spillkörper, der entweder seit mit derselben verbunden ist oder sich lose um dieselbe[217] dreht (Fig. 1). Der Spillkörper trägt unten die Kettentrommel, darüber geht er in die Tautrommel über und trägt oben das Spakengehäuse zum Einsetzen der Spillspaken für das Drehen mit der Hand. Am unteren Rande der Kettentrommel sind Pallen beteiligt, die über einen Pallkranz der Fundamentplatte gleiten und ein Zurückdrehen des Spillkörpers verhindern. Die Kettentrommel ist meist so eingerichtet, daß sie für verschiedene Kettenstärken passend gemacht werden kann, und zu diesem Zweck sind die Mitnehmerknaggen radial nach innen und außen verstellbar eingerichtet. Die Kette wird durch Leitrollen so geführt, daß sie auf dem halben Umfang in der Trommel liegt, und der Kettenbrecher streift dann die Kettenschaken von den Knaggen ab, damit die Kette in den Kettenkasten verholt werden kann. (Vgl. Ankergeschirr, Fig. 1.) Die Gangspille finden vorzugsweise auf Kriegsschiffen Verwendung, da hier zum Handbetrieb eine größere Zahl Leute zur Verfügung fleht. Es sind meist zwei Spillkörper auf derselben Welle in verschiedenen Decks angeordnet und der auf dem Oberdeck befindliche erhält in der Regel zum Verholen des Schiffes eine Trommel für Stahldrahttau [3]. Auf Handelsschiffen, wo die Bedienungsmannschaft eine beschränkte ist, sind die Bratspille, auch Pumpenspille genannt, mit horizontaler Welle gebräuchlich. Die Welle trägt stets zwei Kettentrommeln, die eine für die Steuerbord-, die andre für die Backbordankerkette, und ist an den Enden und in der Mitte in den sogenannten Spillbetingen gelagert [1], [3]. Für den Handbetrieb trägt dieselbe zwei Triebräder, die mit den Pallen der Pumpenhebel in Eingriff kommen, bei Antrieb mit Dampf entweder zwei Stirnräder oder ein Schneckenrad, die mit der Antriebswelle in Verbindung stehen. Zum Festhalten des Spillkörpers ist eine Pallvorrichtung vorgesehen, die Pallen sind meist an dem sogenannten Pallpfosten befestigt, der zugleich als Bock für den Pumpenhebel dient. Bei Antrieb mit Schneckenrad fällt die Pallvorrichtung meist fort. Zum Einholen von Trossen erhält die Spillwelle an den Enden Trossentrommeln (Spillköpfe). – Bei den modernen mit Dampf getriebenen Ankerspillen sitzen die Kettentrommeln lose auf der Spillwelle und können mit Hilfe einer Lamellenbremse (Fig. 3) – Patentspill von Harfield & Baxter (vgl. Fig. 2 u. 3) – oder durch eine konische Bremsepatentspill von Emerson & Walker und Napier [1], [2], sowie schließlich durch eine Bandbremsepatentspill von Schichau (Fig. 4) mit der Spillwelle gekuppelt werden. Beim Auslaufen der Kette kann dann die Kettentrommel durch Bremsen zugleich als Stopper benutzt werden (Fig. 3 u. 4). Das Spill von Napier besitzt zu diesem Zweck noch eine kräftige Differentialbremse [1]. Die Betinge kommen bei diesen Spillkonstruktionen meist in Fortfall. Die Kette bleibt dann im Kettenrad liegen; dadurch erspart man das umständliche Belegen der Kette um die Betinge.


[218] Literatur: [1] Busley, Die Schiffsmaschine, Kiel 1883. – [2] Hauser, Cours de construction navale, Paris 1886. – [3] Dick u. Kretschmer, Handbuch der Seemannschaft, Berlin 1899. – [4] B. Martinenq, Aide-mémoire du constructeur de navires, Paris 1900.

T. Schwarz.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.
Fig. 3., Fig. 4.
Fig. 3., Fig. 4.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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