Glyzerin [3]

Glyzerin [3]

Glyzerin. Die Fette geben unter normalen Verhältnissen bei der Spaltung neben Fettsäuren Glyzerin als nahezu ausschließliches Spaltungsprodukt; dagegen haben die in der Kriegszeit verfügbaren Fette nicht mehr ausschließlich Glyzerin geliefert. Sehr unliebsam machte sich diese Erscheinung bei Herstellung von Dynamitglyzerin bemerkbar. Rohglyzerine, die nachweislich aus Abfall- und Rückstandfetten gewonnen waren, ergaben bei der Destillation Produkte, deren spezifische Gewichte auffallend niedrig waren, während durch Analyse ein Oxydationswert von 100% und mehr, auf Glyzerin berechnet, festgestellt wurde.

Bei Versuchen im Laboratorium von Henkel & Co. in Düsseldorf, die Ursache dieser Erscheinung festzustellen, wurde bei mehrfacher sorgfältiger Fraktionierung im Vakuum eine Fraktion gewonnen, die bei 25 mm Ueberdruck bei 120–125° überging, während Glyzerin unter diesen Bedingungen bei ca. 175° destilliert: Bei 760 mm Druck destilliert das Produkt bei ca. 210°. Das spezifische Gewicht dieser Fraktion betrug 1,057, während Dynamitglyzerin mindestens ein spezifisches Gewicht von 1,262 aufweist. Die Viskosität des Produkts ist etwa die eines 28 grädigen Rohglyzerins. Die Bichromatmethode ergab einen Oxydationswert von 120%. auf Glyzerin berechnet. Dieser niedrigsiedende Anteil des Glyzerins war in bedeutender Menge im sogenannten Süßwasser, d.h. dem dünnen wäßrigen Anteil der Destillation enthalten. Diese dünnen Destillate ließen sich beim Eindampfen im Vakuum nicht weiter als bis auf ca. 20° Bé konzentrieren. Durch vorsichtige fraktionierte Destillation im Vakuum ergaben diese Süßwasserglyzerine ca. 35% solcher niedrigsiedender Anteile. Es handelt sich hierbei mit ziemlicher Sicherheit um Propylenglycol (Trimethylenglycol), dessen Entstehung auf teilweise Spaltung und Gärung der Abfallfette bei ihrer Lagerung zurückzuführen ist [1].


Literatur: [1] Seifenfabrikant 1916, S. 769.

Deite.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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