Drehen


Drehen

Drehen, die Bearbeitung von Arbeitsstücken auf der Drehbank (s.d.).

Nach den verschiedenen Arbeitsvorgängen unterscheidet man Abdrehen oder Egalisieren (Herstellung zylindrischer Körper) und Ausdrehen oder Ausbohren (Herstellung zylindrischer Höhlungen). Die Vorschubbewegung erfolgt hierbei parallel zur Drehachse. Bei gleichmäßiger Fortbewegung des Stahles sind die Schnittfurchen Schraubenlinien (s. Gewindeschneiden). Ferner unterscheidet man Plandrehen (Herstellung ebener ring- oder kreisförmiger Flächen). Die Vorschubbewegung erfolgt senkrecht zur Drehachse. Konischdrehen (s.d.) (Herstellung kegeliger Körper). Die Vorschubbewegung erfolgt winklig zur Drehachse. Kugeldrehen (s.d.). Das Schneidmesser wird durch Drehen des Supports auf einem Kreise bewegt, dessen Mittelpunkt in die Drehachse des Werkstückes fällt. Durch Verschieben des Drehungspunktes lassen sich Rotationskörper herstellen. Passigdrehen (s.d.) oder Unrunddrehen (Herstellung unrunder Körper). Werkstück und Werkzeug ändern ihre Entfernung zueinander periodisch. Die Form des Werkstückes hängt von der Anzahl der periodischen Bewegungen während einer Umdrehung ab. Zum Passigdrehen gehören: Das Ovaldrehen (s.d.) oder Elliptischdrehen. Das Schneidmesser steht fest, das Arbeitsstück wird durch ein Ovalwerk (s.d.) geführt. Das Balligdrehen (Herstellung schwacher Krümmungen), vgl. Riemscheiben. Das Hinterdrehen (s.d.) (Herstellung hinterdrehter Fräser, Bohrer, Reibahlen). Der Schneidstahl wird langsam gegen das Werkstück vor- und schnell wieder zurückbewegt. Die Periodenzahl hängt von der Anzahl der Zähne des Werkstückes ab. Das Guillochieren (s.d.) (Herstellung von Verzierungen und Gravierungen mittels der auf jeder Drehbank anzubringenden Grabstichelmaschine, s.d.). – Ueber Drehen von Holz s. Drechseln, über die Befestigung des Werkstückes beim Drehen s. Drehbank und Drehstuhl. Das Drehen zwischen toten (feststehenden) Spitzen findet statt, wenn es sich um besonders genaue Arbeiten, wie z.B. wissenschaftliche Instrmmente, handelt. Ueber die Werkzeuge zum Drehen s. Werkzeugstähle.

Arbeitsverhältnisse. Der Widerstand des Werkzeuges in der Richtung der Arbeitsbewegung beträgt nach H. Fischer bei Schmiede- und Gußeisen 75–150, bei Stahl 100–220, bei Bronze 50–100 kg/qmm Spanquerschnitt. Die Schnittgeschwindigkeit beträgt für Hartguß 30–50, für Werkzeugstahl 60, für Gußeisen 80–120, für Schmiedeeisen und weichen Stahl 90–150, für Bronze und Kupfer 200–300 mm/sec. Hierbei gelten die niedrigen Werte für den Hauptspan, die hohen für den Schlichtspan. Für starke Spanquerschnitte sind die Geschwindigkeiten geringer. Die Geschwindigkeiten für den kleinsten Kraftverbrauch sind [1] für Gußeisen 40, für Schmiedeeisen 55, für Rotguß 65 mm/sec. Vgl. a. Werkzeugstähle.

Der Vorschub des Werkzeuges bei einer Umdrehung des Arbeitsstückes ist 0,2–1,5 mm für Schruppen und 5 mm für Schlichten.

Größte Spanhöhe für Gußeisen 10, für Schmiedeeisen 7, für Stahl 4, für Bronze 3 mm.

Grenzen der minutlichen Umdrehungszahlen n, wenn dmax den größten und dmin den kleinsten Drehdurchmesser in Millimetern bedeutet:


Drehen

hierbei ist vmin = 50 mm/sec und vmax = 240 mm/sec angenommen.

[87] Gesamtarbeitsaufwand N = N1 + N2. Die Leergangsarbeit N1 in Pferdestärken ist nach E. Hartig, wenn i die Anzahl der Räderübersetzungen zwischen Antriebswelle und Spindel bedeutet:


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Die Nutzarbeit N2 in Pferdestärken ist N2 = ε G, worin G das Gewicht der abgedrehten Späne in Kilogrammstunden (z.B. für Gußeisen G = 13,5 kg Std.) und ε den Arbeitsaufwand in Pferdestärken für 1 kg stündlich abgedrehter Späne bedeutet. Es ist bei einem mittleren Spanquerschnitt f = 2,8 qmm für Gußeisen ε = 0,069, für Schmiedeeisen ε = 0,072, für Stahl ε = 0,104 PS. Ueberschläglich ist für kleine Drehbänke (bis 200 mm Spitzenhöhe) N = 0,4–0,6 PS., für mittlere Drehbänke (bis 300 mm Spitzenhöhe) N = 0,6–1,5 PS. und für große Drehbänke (bis 600 mm Spitzenhöhe) N = 1,5–3 PS.

Der mittlere Wirkungsgrad der Drehbänke ist η = 0,675.


Literatur: [1] Prégel, Th., Neuere Werkzeugmaschinen, Stuttgart 1898. – [2] Weiß, H., Die Werkzeugmaschinen, Wien, Pest, Leipzig 1897. – [3] v. Hoyer, Die Verarbeitung der Metalle und des Holzes, Wiesbaden 1897. – [4] Kick, Mechanische Technologie, Leipzig, Wien 1898. – [5] Ledebur, Mechanisch-metallurgische Technologie, Braunschweig 1897.

Dalchow.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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  • Drehen — Drêhen, verb. reg. act. 1. In einem Kreise, oder um einen Mittelpunct bewegen. 1) Eigentlich. Das Rad drehen, in eine kreisförmige Bewegung setzen. Die Erdkugel drehet sich um ihre Achse. Einem den Degen aus der Hand drehen, winden. Wie, wenn die …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • drehen — drehen: Das westgerm. Verb mhd. dræ̅‹je›n, dræ̅hen, ahd. drāen, niederl. draaien, aengl. đrāwan (engl. to throw »werfen«) beruht mit verwandten Wörtern in anderen idg. Sprachen auf der idg. Wurzel *ter‹ə› »drehen, ‹drehend› reiben, bohren«, vgl …   Das Herkunftswörterbuch

  • Drehen — bezeichnet: etwas im Kreis bzw. um seine Achse bewegen, siehe Drehung etwas mit drehender Bewegung herstellen (das Drehen von Pillen, Zigaretten) einen Film herstellen, siehe Drehen (Film) ein spanabhebendes Bearbeitungsverfahren, siehe Drehen… …   Deutsch Wikipedia

  • drehen — Vsw std. (8. Jh.), mhd. dræjen, ahd. drāen, as. thrāian Stammwort. Setzt ein altes starkes Verb g. * þrǣ a drehen fort, das als solches nur noch in ae. þrāwan belegt ist. Zu ig. * terə reiben, bohren, drehen mit Vollstufe der zweiten Silbe;… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • drehen — V. (Grundstufe) etw. oder sich in einem Kreis bewegen Beispiele: Sie drehte den Kopf nach links. Die Erde dreht sich um die Sonne. Der Schlüssel drehte sich leicht im Schloss. drehen V. (Aufbaustufe) Filmaufnahmen machen Beispiele: Die Band hat… …   Extremes Deutsch

  • Drehen [2] — Drehen (sich drehen), Börsenausdruck: zur richtigen Zeit seine Spekulationen ändern, von der Baisse zur Hausse oder von dieser zu jener übergehen …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • drehen — [Network (Rating 5600 9600)] Auch: • sich drehen …   Deutsch Wörterbuch

  • drehen — drehen, dreht, drehte, hat gedreht 1. Zum Öffnen der Dose müssen Sie den Deckel drehen. 2. Bei Familie Huber dreht sich jetzt alles um das Baby …   Deutsch-Test für Zuwanderer

  • Drehen — Drehen, 1) in einem Kreise od. um einen Mittelpunkt bewegen; 2) so v.w. Drechseln; 3) (Weinb.), so v.w. Fächsern; 4) eine Angewohnheit der Stubenvögel, indem sie mit ganz zurückgebogenem Kopfe beständig eine drehende Bewegung machen; das D. kommt …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Drehen [1] — Drehen, s. Drechseln …   Meyers Großes Konversations-Lexikon