Bernstein [1]


Bernstein [1]

Bernstein (Succinit, Amber, Agtstein, Elektron, Elektrum), ein fossiles Harz (C10H6O oder 79% C, 10,5%, H 10,5% O), eigentlich ein Gemenge von fossilem Harz, Bernsteinsäure und Oel.

Nicht kristallisiert, meist in Knollen, Geröllen, Körnern, Platten, tropfenartigen Formen, zuweilen mit vielen Einschlüssen von Luftblasen, Pflanzenteilchen, Insekten u.s.w. Bruch muschelig; spröd. Härte 2–2,5, mit dem Fingernagel nicht ritzbar; spez. Gew. 1. Farbe gelbbraun bis honiggelb, geflammt, seltener rot, weiß; durchsichtig bis durchscheinend; fettglänzend. Schmilzt bei 287°, brennt mit heller Flamme und angenehmem Geruch. Löst sich in warmem Alkohol. – Der Bernstein ist als eine harzige Ausscheidung von Nadelbäumen der älteren Tertiärzeit (Unter-Oligocän) aufzufallen. Aus den anflehenden Vorkommen (Bernsteinerde) des Samlandes (Ostseeküste) wurde er wieder in jüngere Ablagerungen des benachbarten Küstenstriches verschwemmt, so ins jüngere Tertiär, ins Diluvium und in die heutigen Ostseeablagerungen. Aus allen diesen Schichten wird der Bernstein gewonnen [1], teils durch Bergbau (Landbernstein, Erdbernstein, Erdstein, Grabstein), teils durch Baggern (Baggerstein), Tauchen (Taucherstein), Fischen aus der See (Seestein). Die verschiedenen Bezeichnungsweisen kommen ganz bestimmten Qualitäten des Bernsteins zu [2]. Als Schluck oder Schlick werden große, trübe oder unreine, oft sandige und bröcklige Stücke, als Sandsteine kleine, trübe Körner, als Tonnensteine kleine, zur Drechslerei und Schmuckwaren verwendbare Stücke, als Haupt- oder Sortimentsstücke große, völlig klare und gleichgefärbte, helle Stücke, als Firnissteine (Graus) höchstens bohnengroße, völlig reine Stücke bezeichnet.

Die Verwendung des Bernsteins bezieht sich wesentlich auf die Herstellung von Schmuckwaren (Perlen, Ketten, Armbänder, Amulette), Zigarrenspitzen und von Lack und Firnis. Die Verarbeitung für erstere geschieht auf der Drehbank mittels Meißel, Bohrer und Feile, wobei in erster Linie das Zerspringen und Abbröckeln größerer Stücke zu verhüten ist. Die geformten Stücke werden mit Bimsstein geschliffen, mit Kreide, Tripel, Wasser oder Spiritus abgerieben und mit Wolle poliert. Auch künstliche Färbung findet statt (durch Lösungen von Anilinfarben oder Erwärmen in gefärbtem Oel). Zur Darstellung von Lack und Firnis werden gewisse Sorten geschmolzen und dann mit Leinöl oder Terpentin gemischt oder in beiden gelöst. Beim Schmelzen entweichen flüchtige Zersetzungsprodukte; der Rückstand, eine kolophoniumähnliche Masse (Bernstein-Kolophon), ist in Terpentin und fetten Oelen löslich. Eine geringe Ueberhitzung des geschmolzenen Bernsteins verursacht eine Verbrennung und damit ein Dunklerwerden, was vielfach wieder ein Bleichen nötig macht. Der Preis ist je nach Größe, Durchsichtigkeit und Farbe sehr verschieden. Ein reines Sortimentstück von 500 g Gewicht wird mit 150–180 ℳ. bezahlt Im allgemeinen sind die Preise gesunken [2]; im Höchstbetrage ℳ. 3. – pro Gramm. Dem Bernstein nahe verwandt ist der Retinit, ein fossiles Harz aus der Braunkohle, weiter der Birmit aus Birma mit ähnlicher Verwendung.


Literatur: [1] Klebs, R., Gewinnung und Verarbeitung des Bernsteins, Königsberg 1883. – [2] Ders., Die Handelssorten des Bernsteins, im Jahrbuch der Königl. preuß. geolog. Landesanstalt für 1882, Berlin 1883; Blum, Taschenbuch der Edelsteinkunde, 3. Aufl., Leipzig 1887; Bauer, M., Edelsteinkunde, Leipzig 1896.

Leppla.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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