Stahl, -herstellung


Stahl, -herstellung

Stahl, -herstellung. Der Begriff »Stahl« ist kein feststehender. – Teils versteht man darunter diejenigen Sorten schmiedbaren Eisens (s. Eisen), welche sich härten lallen (s. Härten), teils diejenigen, welche durch solche eisenhüttenmännischen Prozesse dargestellt sind, bei denen das schmiedbare Eisen in flüssigem Zustand sich befand, also alle Flußeisensorten (s.a. Eisen). Neuerdings ist man übereingekommen, eine Festigkeitszahl als trennendes Merkmal zwischen gewöhnlichem schmiedbarem Eisen (Schmiedeeisen) und Stahl festzusetzen.

Man nennt (ausgeglühtes Material vorausgesetzt):

schmiedbares, in flüssigem Zustand erzeugtes Eisen von Stahl, -herstellung 50 kg/qmm Festigkeit: Flußeisen/Flußstahl,

schmiedbares, in teigartigem Zustand erzeugtes Eisen von Stahl, -herstellung 42 kg/qmm Festigkeit: Schweißeisen/Schweißstahl.

Die früher übliche Trennung nach dem Kohlenstoffgehalt des schmiedbaren Eisens (< 0,5% C gewöhnliches schmiedbares Schweiß- bezw. Flußeisen, > 0,5% C Schweiß- bezw. Flußstahl) ist mit Rücksicht darauf, daß härtbare Sorten schmiedbaren Eisens mit beträchtlichen Gehalten an Mangan, Silicium, Wolfram, Nickel, Chrom u.s.w. erzeugt werden, fallen gelassen.

Bezeichnungen. Man unterscheidet:

a) nach der chemischen Zusammensetzung bezw. dem die Stahlsorte kennzeichnenden Nebenbestandteil: Kohlenstoffstahl (zur Unterscheidung der als Nebenbestandteil in der Hauptsache nur Kohlenstoff enthaltenden Stahlsorten von den nachfolgenden verwendet), Mangan-, Chrom-, Nickel-, Wolfram, Chromnickel- u.s.w. Stahl;[248] b) nach dem Herstellungsverfahren:

α) Schweißstahl: Renn-, Herdfrisch-, Puddelstahl (s. Schweißeisen, S. 4 ff.), Gärbstahl;

ß) Flußstahl: 1. im Konverter (Birne) erzeugt; Bessemer-, Thomasstahl; 2. im Herdflammofen: saurer bezw. basischer (Siemens-)Martinstahl; 3. im Tiegel: Tiegelstahl; 4. im elektrischen Ofen: Elektrostahl;

γ) Zementstahl (s.d.).

Herstellungsverfahren. Allgemeine Uebersicht:

a) Kohlenstoffstahl. Seinem Kohlenstoffgehalt nach steht der Stahl zwischen dem (kohlenstoffarmen) schmiedbaren Eisen und dem (kohlenstoffreichen) Roheisen. Es kann demnach der Stahl aus kohlenstoffarmem Eisen durch Anreicherung seines Kohlenstoffgehalts oder aus Roheisen durch Verringerung seines Kohlenstoffgehalts hergestellt werden. Bei der Herstellung von Stahl aus kohlenstoffarmem Eisen dient als »kohlende« Substanz Roheisen oder Kohlenstoff in Form von feingemahlenem aschenarmem Kokspulver, Koksbriketts, Graphit; wurde das kohlenstoffarme Eisen zuvor aus Roheisen hergestellt, so spricht man von einer »Rückkohlung« mit Roheisen u.s.w.; diese Rückkohlung findet bei der Flußstahlherstellung (s. Flußeisen) Anwendung. Bei der Herstellung von Stahl aus Roheisen wird der Kohlenstoffgehalt des Roheisens nur teilweise entfernt (z.B. beim Puddelstahl, s. Schweißeisen, ferner beim Bessemer- und sauern Siemens-Martin-, nicht aber beim Thomas- und basischen Siemens-Martin-Prozeß möglich, s. Flußeisen).

b) Spezialstähle: Bei diesen handelt es sich nur um ein Auflösen der entsprechenden Zusätze (teils als Reinmetalle, teils als Ferrolegierungen). Sie werden teils im Ofen bezw. Tiegel, teils erst in der Gießpfanne zugegeben. S.a. Messerstahl.

A. Widmaier.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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