Seife [3]


Seife [3]

Seife. ^– In neuerer Zeit haben viele Seifenfabriken angefangen, Fettsäuren mit Lösungen von kohlensauren Alkalien in Seife überzuführen. Diese sogenannte Karbonatverseifung wird in folgender Weise ausgeführt: Die zuvor genau berechnete Menge von kohlensaurem Alkali wird in Wasser aufgelöst und im Siedekessel bis zum Kochen erhitzt. Hierauf läßt man die vorher flüssig gemachte Fettsäure zufließen, während man die Karbonatlösung in beständigem Sieden erhält. Die zufließende Fettsäure verbindet sich sofort mit dem Alkali, wobei Kohlensäure frei wird und entweicht. Diese freiwerdende Kohlensäure bewirkt ein starkes Schäumen und Steigen der Seifenmasse. Man hat deshalb den Fettsäurezufluß so zu regeln, daß ein Uebersteigen der Seife nicht erfolgen kann. Am leichtesten tritt das Uebersteigen ein, wenn der letzte Rest der Fettsäure zur Verseifung gelangt; man hat also dann besonders auf ihren langsamen Zufluß zu achten. Das Steigen läßt merklich nach, sobald die letzte Fettsäureverseifung eingegangen ist. Man hat dann noch längere Zeit zu sieden, damit der frei gewordenen Kohlensäure Gelegenheit gegeben wird, zu entweichen. Die Seife wird unterdes schwerer und dicker und fängt allmählich an zu fallen. Die immer noch entweichende Kohlensäure flößt unter fortwährendem Puffen gewaltsam durch die Seife. Liegt die Seife schließlich dick und schwer im Kessel, ohne sich wieder heben zu können, so ist anzunehmen, daß alle Kohlensäure entwichen ist, und das weitere Sieden kann in der Weise fortgesetzt werden, daß man die für das in der Fettsäure enthalten gewesene Neutralfett erforderliche Aetzlauge zugibt. Nach der vollständigen Zugabe dieser Lauge tritt wieder ein normales Sieden ein. Die vorher schwerfällige und trübe Seife wird dunkel und leimig sowie leichtflüssig. Sie beginnt wieder zu steigen und kann nun abgerichtet und wie eine aus Neutralfett gesottene fertig gemacht werden. Die Laugenabrichtung ist immer etwas kräftig zu halten, weil alle aus Fettsäuren gesottenen Seifen etwas nachgreifen, so daß ein anfänglicher Alkaliüberschuß sich nach einiger Zeit teilweise wieder verliert.

Die zur Verseifung notwendige Menge Alkalikarbonat muß in jedem Falle durch eine Titration der zu verseifenden Fettsäure berechnet werden, da der Spaltungsgrad der technischen Fettsäuren schwankt. Anwendung einer zu großen Alkalimenge kann leicht zu einem fehlerhaften Produkt führen. Auf alle Fälle ist es geraten, etwas weniger als die berechnete Karbonatmenge anzuwenden. Man läßt zweckmäßig 2–3% Fettsäure bei der Karbonatverseifung unverseift und verseift sie erst mit dem in der Fettsäure noch enthaltenen Neutralfett durch Aetzlauge.

Wie schon erwähnt, tritt durch das Freiwerden der Kohlensäure ein starkes Schäumen und Steigen der zu verseifenden Masse ein. Es sind deshalb genügend große Siedekessel zu verwenden, um der Seife einen hinreichenden Steigraum zu gewähren., Im allgemeinen soll der Kessel etwa das 4- bis 5fache Volumen des Fettansatzes haben.


Literatur: [1] Deite, Handbuch der Seifenfabrikation, Bd. 1, 3. Aufl., S. 171, Berlin 1906. – [2] Ubbelohde & Goldschmidt, Handbuch der Chemie und Technologie der Oele und Fette, Bd. 3, S. 737, Leipzig 1911.

Deite.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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