Schwefelkohlenstoff [1]

Schwefelkohlenstoff [1]

Schwefelkohlenstoff, Kohlenstoffsulfid CS2, Mol.-Gew. 76,12. In reinem Zustand eine wasserhelle, leicht bewegliche, stark lichtbrechende Flüssigkeit mit an Chloroform erinnerndem Geruch; spez. Gew. 1,2684; Siedepunkt 46,5. In Wasser wenig löslich, mit Alkohol, Aether u.s.w. in allen Verhältnissen mischbar.

CS2 löst Schwefel, Phosphor, Jod, Fette, Oele, Kampfer, Harze, Kautschuk. Verbrennt mit blauer Flamme zu Schwefel- und Kohlenstoffdioxyd. Sein Dampf, mit Sauerstoff oder atmosphärischer Luft gemischt und angezündet, explodiert heftig; mit Stickoxyd gemengt und entzündet gibt er ein chemisch sehr wirksames blaues Licht. Mit Sulfiden bildet er Sulfokarbonate (z.B. Na2CS3 Natriumsulfokarbonat), die, mit Salzsäure behandelt, die Sulfokarbonsäure als eine rotbraune, leichtzersetzliche Flüssigkeit liefern. Dargestellt wird Schwefelkohlenstoff durch Einwirkung von Schwefeldämpfen auf möglichst reine, trockene Kohle in gußeisernen Retorten, indem unter die zum Glühen erhitzten Kohlen Schwefelstücke gebracht werden; Apparate s. [1]. Der stets schwefelhaltige (8–12%) rohe Schwefelkohlenstoff ist außerdem durch Schwefelwasserstoff und flüchtige organische Schwefelverbindungen verunreinigt, die seinen widerlichen Geruch bedingen. Die Reinigung geschieht durch Waschen mit Kalkwasser und darauffolgendes Destillieren unter Zusatz von etwas Wasser und Bleizucker im Wasser- oder Dampfbade. Die Verwendung des Schwefelkohlenstoffs ist eine sehr vielseitige. Er dient zum Vulkanisieren und Lösen des Kautschuks, zum Extrahieren der Fette und Oele aus Knochen und ölhaltigen Samen (Palmkernen, Oliven, Raps u.s.w.), zur Darstellung verschiedener Chemikalien (Sulfokarbonate, Schwefelcyanammonium, xanthogensauern Salzen u.a.m.), zum Töten der Ratten und schädlicher Insekten, insbesondere der Reblaus. Näheres s. [1], [2].


Literatur: [1] Dammer, Handbuch der ehem. Technologie, Stuttgart 1895, Bd. 1, S. 95. – [2] Fischer, Handbuch der ehem. Technologie, 14. Aufl., Leipzig 1893, S. 371.

(Rathgen) Moye.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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