Pigmentdruck


Pigmentdruck

Pigmentdruck, von A.L. Poitevin (1855) erfundenes, vom Liebhaber wie industriell viel benutztes photographisches Kopierverfahren, das aus einem gefärbten Leimrelief bestehende, ein- oder mehrfarbige Bilder ergibt.

Der Pigmentdruck ist ein Zweig der Chromatphotographie (s.d.). Er beruht nämlich darauf, daß man Gelatineschichten verwendet, denen Farbstoffe (z.B. Ruß – daher auch der Name Kohledruck –, Ocker, Engelrot, Indigo, Berlinerblau, Umbra, Vandyckbraun u.s.w.) inkorporiert sind und die z.B. mit Kaliumbichromat lichtempfindlich gemacht werden. Unter einem Negative belichtet, werden diese Gelatineschichten je nach der durch die partiell verschiedene Transparenz des Negativs verschieden kräftig erfolgende Lichtwirkung genau den Tonwerten entsprechend in geringerer oder größerer Dicke gegerbt. Die Leimschichte ist also an den Bildpartien durch das infolge der Belichtung entstandene Chromdioxyd stellenweise verschieden, nämlich an den Orten heller Töne nur oberflächlich, an denen der Mitteltöne bis in größere Tiefe, endlich an jenen der Schatten (entsprechend der größten Transparenz des Negativs) am stärksten unlöslich geworden. Wird nun mit warmem Wasser, welches die unbelichtet gebliebenen Schichtteile löst, entwickelt, bleibt ein Relief zurück, das aus der gegerbten, den eingeschlossenen Farbstoff sicher zurückhaltenden Gelatine besteht. Dieses Pigmentbild, bei dem die Tonwerte dadurch zustande kommen, daß je nach der Dicke des Reliefs auch der Farbstoff in verschiedener Menge vorhanden ist und dieser entsprechend mehr oder weniger die Unterlage deckt, zeichnet sich durch außerordentlichen Tonreichtum und unbegrenzte Haltbarkeit aus.

Die Durchführung des Prozesses ist einigermaßen umständlich. Das Pigmentpapier wird fabrikmäßig auf besonderen Maschinen bei Verwendung sehr guten satinierten, schwach saugfähigen Rohpapiers in Rollen hergestellt, und zwar in nicht sensibilisiertem Zustande, sondern nur mit der gefärbten Gelatineschicht versehen, weil das empfindliche Papier nur kurze Zeit haltbar ist. Von Wichtigkeit ist die richtige Wahl der Gelatine. Solche für diesen Spezialzweck wird von Nelson in London, der Gelatinefabrik in Winterthur, Coignet in Paris erzeugt. Der Gelatinemasse werden Zucker, Glyzerin, Seife, als Antiseptikum Karbolsäure u.s.w. zugesetzt; der Farbstoffgehalt schwankt je nach der Ausgiebigkeit des Pigments. Mit der Fabrikation von Pigmentpapier befassen sich in großem Maßstabe Hanfstaengl in München, Braun in Dornach i. E., die Autotyp-Company in London, Lamy in Paris u.a. – Das Sensibilisieren geschieht in der Regel von Fall zu Fall mit einer Chromatlösung (Wasser 1000, Kaliumbichromat 20, Zitronensäure 7 und Ammoniak 30; die beiden letzten bewirken, daß das empfindliche Papier 8–14 Tage hält [Namias], während sonst Selbstzersetzung in 3–5 Tagen eintritt), worauf das Papier mittels Kautschukquetschers auf eine talkumierte oder kollodionierte Glasplatte gequetscht und möglichst rasch, eventuell mittels Ventilator, getrocknet werden soll. Da Pigmentpapier wegen der Dunkelheit der Schicht das Fortschreiten des Kopierens nicht wahrnehmen läßt, muß hierbei ein Photometer (z.B. das aus verschieden dicken Papierlagen, unter welche ein Streifchen Celloidinpapier gelegt wird, bestehende Vogelsche) benutzt werden. Beim unmittelbaren Entwickeln der Kopie würden die oberflächlich gegerbten Schichtpartien an den hellen und den Mitteltönen infolge Lösung der darunter unverändert (ungegerbt) gebliebenen Leimteile abschwimmen. Deshalb muß vorher die Pigmentkopie auf gelatiniertes oder mit koaguliertem Eiweiß versehenes Papier übertragen werden. Ist dieses der definitive Bildträger, so spricht man vom einfachen Uebertragungsprozeß, der seitenverkehrte Bilder ergibt. Sollen die Endprodukte seitenrichtig sein, muß der doppelte Uebertragungsprozeß, bei dem nach dem Entwickeln nochmals (auf Papier, Glas, Milch-, Opalplatten, Metalltafeln, Porzellan u.s.w.) übertragen wird, gewählt werden. Man kann aber auch die Uebertragung ganz vermeiden, wenn von vornherein ein sehr dünner, transparenter Bildträger (z.B. Celluloidfolien) verwendet werden und man von der Rückseite durch die Unterlage hindurch belichtet. Die fertigen Bilder härtet man im Alaunbade. – Es gibt eine Reihe von Verfahren, die, obwohl auf dem Prinzipe des Pigmentdrucks fußend, ohne Uebertragungsprozeß (auch ohne eine Belichtung von rückwärts) durchführbar sind und sehr hübsche Resultate ergeben. Hierher gehört z.B. der Charbon-Velours-Prozeß (das Samtkohleverfahren) von Artigue; hierbei werden sehr dünne, aber außerordentlich pigmentreiche Gummischichten (vgl. Gummidruck) verwendet.

Der Pigmentdruck findet, seiner durch große Schönheit und andre Vorzüge (s. oben) ausgezeichneten Produkte wegen, ausgebreitete Anwendung zur Herstellung von Bildern für den Wandschmuck, von Latern- und Fensterbildern, von großen »Galeriewerken« u.s.w. Ueber die Benutzung des Pigmentdrucks zur Erzeugung von Photographien in natürlichen Farben s. Dreifarbendruck, über die bei der Photokeramik, der Heliogravüre s.d., bei der Heliographie s. Kartendruck, dem Woodburydruck s.d.; endlich vgl. Photographie und Pressendruckverfahren, photographische.


Literatur: Eder, J.M., Das Pigmentverfahren, 2. Aufl., Halle a. S. 1899; Ders., Rezepte und Tabellen für Photographie und Reproduktionstechnik, 7. Aufl., Halle a. S. 1908; Spörl, H., Der Pigmentdruck (13. Aufl. von Liesegang, Der Kohledruck), Leipzig 1906; Keßler, H., Lehrbuch der praktischen Photographie, 6. Aufl., Leipzig 1906.

A.W. Unger.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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