Pfahlroste


Pfahlroste

Pfahlroste (Bürstenroste, Bürstenwerke) finden für die Gründung von Bauwerken dann Anwendung, wenn die lockere Bodenschicht, welche auf der tragfähigen aufruht, eine so bedeutende Mächtigkeit hat, daß die Herstellung gemauerter oder betonierter Fundamente nur mit großen Schwierigkeiten geschehen kann oder in ökonomischer Beziehung unzweckmäßig erscheint.

Den wesentlichsten Konstruktionsteil eines Pfahlrostfundaments bilden die hölzernen Pfähle, welche ähnlich wie Säulen oder andre Freistützen den betreffenden Baukörper zu tragen haben. Ragen die Rostpfähle nur wenig aus dem Boden hervor, sind sie also Grundpfähle (s. Pfähle),[81] so entsteht ein tiefliegender Pfahlrost; tritt hingegen ein bedeutender Teil der Pfahllänge aus dem Boden hervor, kommen also Langpfähle (s. Pfähle) zur Verwendung, so wird der Pfahlrost hochliegend genannt.

1. Tiefliegende Pfahlroste. Die Rostpfähle können den darauf zu setzenden Baukörper in zweifacher Weise tragen: entweder stehen sie mit ihrer Spitze auf einer tragfähigen Bodenschicht auf oder (bei sehr großer Mächtigkeit der lockeren Bodenschicht) sie erhalten ihre Standfestigkeit im wesentlichen nur durch die Reibung zwischen der Pfahloberfläche und dem Bodenmaterial. Das erstgedachte Verfahren ist vorzuziehen. Da die Pfähle auf Knickfestigkeit beansprucht werden, so ist es am vorteilhaftesten, wenn ihre Achse in der Richtung des auf sie wirkenden Druckes gelegen ist; wenn sonach die wirksamen Kräfte im wesentlichen lotrecht gerichtet sind, so treibt man die Pfähle gleichfalls lotrecht in den Boden ein; bei Stütz- und Ufermauern indes, bei Gewölbewiderlagern u.s.w., kurz, bei Baukörpern, die Harken Seitenschub erfahren, stelle man die Pfähle besser in die Richtung des herrschenden Druckes (Fig. 1); bisweilen genügt es, nur eine oder einige Pfahlreihen schräg zu stellen, die übrigen aber lotrecht anzuordnen (Fig. 2). Bei manchen Konstruktionsteilen, wie Freistützen, welche größere Hallendächer tragen, bei Mittelpfeilern von Bogenbrücken u.s.w. kann der Seitenschub bald von der einen, bald von der andern Seite wirksam sein; alsdann werden einzelne Pfähle bezw. Pfahlreihen gleichfalls schräg gestellt, jedoch nach entgegengesetzten Richtungen (Fig. 3). Die Zahl der zu verwendenden Pfähle hängt von der Größe des herrschenden Druckes und von der Tragfähigkeit der Pfähle ab. Die Pfähle werden reihenweise geschlagen; Abstand der Pfahlreihen voneinander 0,80–1,20 m; Abstand der Pfähle in einer Reihe 1,0–1,50 m. Kommen auf die Pfahlköpfe Lang- und Querschwellen zu liegen, so empfiehlt sich die netzförmige Anordnung der Pfähle (Fig. 4); wenn indes auf die Pfahlköpfe eine Betonplatte aufgebracht wird (Betonpfahlrost, Fig. 6), so versetze man in den einzelnen Pfahlreihen die Pfähle gegeneinander. Die Pfahlköpfe müssen so tief gelegen sein, daß die Oberkante der etwa darauf zu setzenden Holzkonstruktion mindestens 30 cm, besser 50 cm unter den niedrigsten Wasserstand zu stehen kommt. Bei den gewöhnlichen Pfahlrosten werden auf jede Pfahlreihe Langschwellen (auch Rost- oder Grundschwellen genannt) verlegt und quer über diesen die Querschwellen (auch Zangen geheißen) angeordnet (Fig. 5); beide erhalten meist quadratischen Querschnitt von 25–33 cm Seitenlänge bei den Langschwellen und 22–30 cm bei den Querschwellen. Die durch beide Schwellenlagen gebildeten Fache werden mit der sogenannten Bettung, bestehend aus Kies, festgestampftem Bauschutt, Lehm, Ton, Lehm und Sand, Bruchsteinmauerwerk, Sand, Beton u.s.w., ausgefüllt; schließlich wird ein 7–10 cm dicker Bohlenbelag angebracht, der indes stets auf die Langschwellen gelegt wird. Auf den Bohlenbelag kommt das Mauerwerk zu stehen (Fig. 5). Verhältnismäßig seiten hat man die Rostpfähle bloß in gleicher Höhe abgeschnitten und dann das Mauerwerk unmittelbar darauf gesetzt; dies ist indes nur bei geringen Belastungen zulässig. Sind Unterwaschungen zu befürchten, so umschließe man den Pfahlrost mit einer Spundwand. Bei den Betonpfahlrosten (Fig. 6) ragen die Pfahlköpfe nicht unter 15 cm in die Betonplatte hinein, und letztere erhält nicht unter 50, besser 75 cm Dicke; Spundwände, welche den Beton umschließen und ihn gegen Unterwaschung schützen, sollten hier niemals fehlen. Derartige Betonpfahlroste werden sowohl im Hochbau wie im Brückenbau immer häufiger angewendet und bewähren sich vortrefflich.

[82] 2. Eisenbetonpfahlrost entsteht, wenn bei der Gründung eines Bauwerkes statt hölzerner Pfähle Eisenbetonpfähle (s. Pfähle) verwendet werden.

3. Hochliegende Pfahlroste, auch Stelzenfundamente genannt, werden bei sehr hohem Wasserstand, namentlich am Meere, wo die Herstellung einer Baugrube viele Schwierigkeiten bereiten würde, angewendet. Man schneidet die Rostpfähle in der Höhe des Niederwassers ab, verlegt die beiden Schwellenlagen mit dem Bohlenbelag und setzt auf letzteren das Mauerwerk. Die Rostpfähle läßt man entweder frei stehen (Fig. 7) oder man schützt sie gegen Ausknicken durch Diagonalstreben oder durch dazwischen gebrachte Steinschüttungen, bisweilen durch beides zugleich.

Schmitt-Darmstadt.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2., Fig. 5.
Fig. 2., Fig. 5.
Fig. 3., Fig. 4., Fig. 6.
Fig. 3., Fig. 4., Fig. 6.
Fig. 7.
Fig. 7.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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