Mäander


Mäander

Mäander (auch à la grecque genannt), ein geradliniges Flächen- und Bandmotiv, hat sich aus einem System sich kreuzender Linien entwickelt, bei welchem Grund und Zeichnung sich räumlich das Gleichgewicht halten.

Ohne Zweifel der Weberei entnommen, fand es seine frühste ausgedehnte Anwendung und vollkommenste Durchbildung in der griechischen Kunst, sowohl in der Töpferei als auch namentlich an flachen Bauteilen, wie Säume, Deckenflächen, Balken, Wandstreifen u.s.w. [2]. (Vgl. Bd. 2, S. 239.) Der Name flammt von dem vielfach gewundenen Flusse Mäandros in Kleinasien.

Es gibt sehr verschiedene Mäanderformen, die einfachste (Fig. 1) ist fast bei allen Völkern, auch bei den sehr unkultivierten heimisch. Fig. 2 stellt eine Abart des Mäanders vor, die namentlich[270] in Griechenland häufig gebraucht wurde. Fig. 3 gibt eine Mäanderform aus sich kreuzenden Linien und Quadraten, die im griechischen und römischen Stile zur Anwendung kam. Als Flächendekoration diente der Mäander namentlich als ausfüllendes Muster auf griechischen und römischen Fußböden. In der Spätzeit treten einige abweichende Formen auf; so ein scheinbar sehr plastisch gestalteter Mäander (Fig. 4), der noch bei Wandmalereien frühmittelalterlicher Kirchen Anwendung fand, so in der Kirche in Oberzell, Insel Reichenau bei Konstanz. Das späte Mittelalter kennt den Mäander kaum. Auch die Renaissance gebraucht wesentlich die antiken Formen des Mäanders; nur zuweilen gefeilten sich noch andre Elemente hinzu, so namentlich eine Kombination mit Pflanzenformen (Fig. 5).


Literatur: [1] Meyer, F.S., Handbuch der Ornamentik, Leipzig 1888. – [2] Semper, G., Der Stil Bd. 1, Frankfurt 1860. – [3] Boetticher, C., Tektonik der Hellenen, Berlin 1850.

Weinbrenner.

Fig. 1., Fig. 2.
Fig. 1., Fig. 2.
Fig. 3., Fig. 4.
Fig. 3., Fig. 4.
Fig. 5.
Fig. 5.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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  • Mäander — (Mäandros), 1) (a. Geogr.), Gebirge in India extra Gangem, nordöstlich vom Bengalischen Meerbusen; 2) einer der größten Flüsse Kleinasiens, kam bei Kelänä in Phrygien aus einem See, trat dann nach, Karien, mündete zwischen Myus u. Priene ins… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Mäánder — Mäánder, grch. Maiandros, jetzt Menderes, Fluß im westl. Kleinasien, durchströmt in zahllosen Krümmungen Phrygien und Karien, mündet bei Milet ins Ägäische Meer. – Nach seinen Krümmungen heißt M. oder Band à la grecque auch eine sich windende… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Mäander — Mäander, jetzt Meinder, Fluß in Kleinasien, mündet bei Milet, merkwürdig durch viele Krümmungen, daher z.B. mäandrischer Gang, Lauf …   Herders Conversations-Lexikon

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  • Mäander — Auenmäander des Nowitna River (Unterlauf) Die Sa …   Deutsch Wikipedia

  • Mäander — Mä|an|der der; s, <über lat. Maeander aus gr. Maíandros, nach dem Fluss Mäander (heute türk. Menderes)>: 1. (meist Plur.) [Reihe von] Windung[en] od. Schleife[n] (z. T. mit Gleit u. Prallhängen) von Fluss od. Bachläufen; Flussschlinge[n]. 2 …   Das große Fremdwörterbuch

  • Mäander — meandras statusas T sritis fizika atitikmenys: angl. meander vok. Mäander, m rus. меандр, m pranc. méandre, m …   Fizikos terminų žodynas

  • Mäander — upės kilpa statusas T sritis ekologija ir aplinkotyra apibrėžtis Kilpos pavidalo upės vagos vingis. Būdinga nedidelėms lygumų upėms. atitikmenys: angl. full meander; meander vok. Mäander, m rus. извилина, f; изгиб, m; меандр, m ryšiai: sinonimas… …   Ekologijos terminų aiškinamasis žodynas

  • Mäander — Mä·ạn·der der; s, ; eine von vielen engen Biegungen eines Flusses || hierzu mä·ạn·dern (hat) Vi …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache