Kriegstelegraph [2]

Kriegstelegraph [2]

Kriegstelegraph. Funkentelegraphen für Kriegszwecke.

Die Funkentelegraphen für Kriegszwecke verwenden jetzt nicht mehr die früher allgemein gebräuchlichen Knallfunkenstrecken mit langsamer Funkenfolge (vgl. Bd. 8, S. 469), sondern die Löschfunkenstrecken des neuen Telefunkensystems (vgl. Bd. 8, S. 473), die trotz erhöhter Funkenfolge fast geräuschlos arbeiten und im Empfänger die Zeichen als reine musikalische Töne wiedergeben. Neben dem Löschfunkensystem der Telefunkengesellschaft kommt auch das Vieltonsystem der C. Lorenz A.-G., Berlin, zur Verwendung, mit welchem verschiedene Töne in unmittelbarer Folge hervorgerufen werden können. Die Einfachheit der Tonänderung gestattet, ohne Benutzung des Morsealphabetes akustische Signale und Melodien mit verabredeter Bedeutung zu übermitteln. Auch bei Benutzung des Morsealphabets kann die Tonänderung dazu dienen, Striche und Punkte mit verschiedenen Tönen zu geben, wodurch die Sicherheit des Abhörens gewinnt, unbefugte Mithörer getäuscht werden und die Telegraphiergeschwindigkeit erhöht wird, da der Strich nicht länger dauert als ein Punkt. – Auch die Firma Dr. Erich F. Huth, G.m.b.H., stellt Funkentelegraphenstationen für Luftfahrzeuge her.

A. Löschfunkentelegraphen der Telefunken-Gesellschaft für Heereszwecke.

1. Die Tornisterstation. Sie hat eine Reichweite von 20–25 km und wird von vier Mann in den Tornistern getragen. Die zum Betriebe des Senders erforderliche Energie wird von einer 1500 periodigen Wechselstrommaschine geliefert, die von zwei Mann mittels eines Handkurbelgestells getrieben wird. Der Wechselstrom wird durch einen Transformator auf die zum Laden der Glimmerkondensatoren des Erregerkreises erforderliche Hochspannung transformiert. Die Löschfunkenstrecke F (Fig. 1), über welche sich die Kondensatoren C entladen, besteht aus[460] einzelnen plattenförmigen Elektroden, die durch Glimmerringe voneinander isoliert sind. Der Erregerkreis, der noch eine Kupferbandflachspule L als Selbstinduktivität enthält, ist auf zwei festen Wellen von 300 und 450 m abgestimmt. Der mit dem Erregerkreis direkt gekoppelte Luftleiter A besteht aus zwei Bronzelitzendrähten, die in T- oder L-form zwischen zwei Stahlrohrteleskopmasten von 9 m Länge ausgespannt werden. Die T-Antenne wird dann benutzt, wenn eine möglichst gleichmäßige Strahlung nach allen Seiten gewünscht wird; die L-Antenne, wenn besonders in einer Richtung telegraphiert werden soll. Als Erdleitung E oder Gegengewicht werden zwei Drähte wie der Luftleiter zwischen den beiden Masten unmittelbar über der Erde ausgespannt; soll hauptsächlich nach einer Richtung telegraphiert werden, wird das Gegengewicht auf der der Gegenstation zugewandten Seite aufgebaut. In die Antenne ist eine Luftdrahtverlängerungsspule V eingebaut, die zwei Abzweigungen entsprechend den beiden Senderwellen von 300 und 450 m besitzt. Der Empfängerkeis ist hinter der Spule V mit dem Luftleiter durch eine zylindrische Schiebespule S1 induktiv gekoppelt, die gleichzeitig zur genauen Abgleichung der Abstimmung der Antenne dient. In der Schiebespule liegt die Detektorkoppelungsspule S2 mit einem Kontaktdetektor D und Blockkondensator C1 und parallel zu diesem ein Telephon F.

2. Die fahrbare Station mit Bespannung. Sie hat eine Reichweite von 200 bis 300 km und wird in einem aus Vorder- und Hinterwagen begehenden Protzfahrzeug untergebracht. Die Protze (Vorderwagen) dient zur Aufnahme aller elektrischen Apparate des Senders und Empfängers und hat Sitzplätze für zwei Mann. Der Hinterwagen enthält einen Benzinmotor, das Maschinenaggregat und sämtliche zur Stromerzeugung nötigen Einrichtungen, sowie Sitzplätze für vier Mann. Zum Transport des Mastes für die Luftleitung, des Luftleiters und Gegengewichts sowie von Reservematerial ist ein zweites Fahrzeug erforderlich; hierzu eignet sich jedes Armeefahrzeug. Das Stationsfahrzeug wird mit sechs, das Mastfahrzeug mit vier Pferden bespannt. Die elektrische Kraft wird von einem 6 PS.-Einzylinder-Benzinmotor geliefert, der direkt mit einem 500 periodigen Wechselstromgenerator von 2 KW.-Leistung gekuppelt ist; auf der Motorachse läuft eine kleine Gleichstromdynamo, welche den nötigen Erregerstrom für die Wechselstrommaschine liefert. Die funkentelegraphischen Apparate sind nach Fig. 1 angeschaltet und so angeordnet, daß alle Senderteile auf der einen Seite des Vorderwagens liegen und von hier aus bedient werden können, desgleichen alle Empfangsapparate auf der andern Seite. Der Wechselstrom von 500 Perioden und etwa 100 Volt Spannung wird vom Kraftkarren durch ein Kabel zum Apparatkarren geleitet und hier durch einen eisengeschlossenen Transformator auf etwa 5000 Volt gebracht. Der hochgespannte Wechselstrom dient zur Ladung des geschlossenen Erregerkreises, der aus Funkenstrecke, Kondensator und Selbstinduktion besteht. Die Funkenstrecke ist eine Reihenlöschfunkenstrecke mit Metallelektroden, die in einem isolierten Rahmen mit Preßschraube untergebracht sind. Die Kondensatoren bestehen aus Stanniolplatten mit Paraffinpapierisolation, die in einem Holzkasten eingebaut sind. Die Selbstinduktion besteht aus einem Sogenannten Variometer mit zwei gegeneinander beweglichen Wicklungen; durch Drehung der einen Wicklung wird eine kontinuierliche Wellenverlängerung des Erregerkreises von 600 auf 2000 m erreicht. Die Skala des Variometers zeigt die eingestellte Wellenlänge. Aus dem Erregerkreise wird die erzeugte Hochfrequenzenergie direkt auf die Antenne übertragen, welche auf dieselbe Welle wie der Erregerkreis eingestellt werden muß. Zu dieser Abstimmung dient ein Spulenaggregat, dessen eines Ende dauernd mit dem Luftdraht verbunden ist, während am andern Ende neun Abzweigungen durch einen schnurlosen Stöpsel stufenweise mit dem Erregerkreise verbunden werden können. Zur Ueberbrückung der Stufen und Herstellung der lückenlosen Wellenfolge dient ebenfalls ein Variometer. Die Abstimmung des Luftdrahtes erfolgt durch Einstellung auf größte Energieaufnahme, welche an dem Ausschlage eines Hitzdrahtampèremeters festgestellt wird, das in die Erdleitung oder Gegengewichtsleitung eingeschaltet ist. Der Empfänger besteht aus zwei vollständigen gleichartigen Hörempfangsapparaten, so daß unter Umständen von zwei verschiedenen Sendestationen gleichzeitig Telegramme aufgenommen werden können. Jeder Apparat besteht aus einem Satz Spulen und einem drehbaren Plattenkondensator, welche zusammen einen Wellenbereich von 300 bis 3000 m ohne Unterbrechung beherrschen. Als Detektor dient ein empfindlicher Kontaktdetektor, welcher auf ein oder mehrere Telephone wirkt. Die Empfangsenergie wird auf den Detektor durch einen klappbaren Transformator übertragen. Sämtliche Leitungen des Empfängers laufen an einem Zentralumschalter zusammen, der mit einer einzigen Hebeldrehung alle Empfangsleitungen unterbricht, wenn gesendet werden soll und andrerseits den Starkstrom abschaltet, wenn empfangen werden soll.

Als Antennenträger wird ein 25–35 m hoher Teleskopmast benutzt. Die Antenne wird schirmförmig aus 12 Luftdrähten von je 25 m Länge hergestellt. 12 Gegengewichtsdrähte von 60 m Länge werden in etwa 1–3 m Abstand vom Erdboden ausgespannt.

3. Die Automobilfeldstation. Sie bildet eine Ergänzung der fahrbaren Militärstationen und eignet sich besonders zur Verwendung bei den höheren Kommandostäben; ihre Reichweite beträgt bei einem 25 m hohen Maste 200–250 km in ebenem Gelände. Zur Stromlieferung dient ein Wechselstromgenerator von 500 Perioden, der mit Hilfe eines Umschaltegetriebes, das von der Kardanwelle des Automobils angetrieben wird, mit dem Benzinmotor des Automobils gekuppelt werden kann. Zur Erregung dient eine Gleichstrom-Nebenschlußdynamo, welche mit dem Wechselstromgenerator direkt gekuppelt ist. Die elektrischen Maschinen sind unter dem Fußboden in das Chassis eingebaut und durch Klappen im Fußboden leicht zugänglich. Sämtliche funkentelegraphischen Apparate sind auf einem Tisch an der Vorderwand des Wagenraumes angeordnet, auf der rechten Seite befindet sich die Senderapparatur, auf der linken der Empfänger. Unter dem Tisch sind der Kondensator und der Transformator des Senders aufgestellt. Die Schaltung erfolgt nach Fig. 1. Alle Verbindungsleitungen sind offen sichtbar und blank auf Isolatoren verlegt. Der Wechselstrom von 500 Perioden wird dem[461] Transformator durch ein armiertes Kabel zugeführt und von 220 Volt auf 8000 Volt umgeformt. Der hochgespannte Wechselstrom speist den aus einer Serienlöschfunkenstrecke mit Metallelektroden, Stanniolplattenkondensatoren und einer Selbstinduktionsspule aus Flachkupfer bestehenden Erregerkreis. Die an der Vorderwand rechts über der Funkenstrecke aufgehängte Selbstinduktionsspule besitzt Stöpselanschlüsse zum Einstellen von vier fetten Wellen im Bereiche von 600–1600 m. Zur Abstimmung des Antennenkreises auf die Wellenlänge des Erregerkreises dient ein in die Antenne eingeschaltetes, auf der Mitte des Tisches stehendes Aggregat von sechs Luftdrahtverlängerungsspulen, welche mit Anschlüssen für die verschiedenen Wellenlängen versehen sind. Die Spulen sind aus flachem Kupferband hergestellt. Zur Herstellung einer genauen Abstimmung zwischen Antenne und Erregerkreis ist die zweite Spule im entgegengesetzten Sinne wie die übrigen gewickelt und in vertikaler Richtung beweglich. Nach Einstöpselung der gewünschten Wellenlänge im Erregerkreis und Luftleiter, wird die bewegliche Spule der darüber liegenden feststehenden so weit genähert oder von ihr entfernt, bis das in den Luftleiter eingeschaltete Hitzdrahtampèremeter den größten Ausschlag zeigt. Für den Empfang dient ein Hörempfänger wie bei der fahrbaren Station. Als Luftleiter kommt die normale Schirmantenne mit 25-m-Teleskopmast zur Anwendung.

4. Die Station für Flugzeuge. Bleibt das Flugzeug stets in der Nähe der Stelle, der es seine Beobachtung übermitteln soll, so erhält die Station Batteriebetrieb mit einer Reichweite von 25 km. Soll das Flugzeug hingegen große Beobachtungsflüge ausführen, so kommen größere Stationen für Reichweiten bis zu 100 km zur Verwendung, bei dem eine Dynamomaschine den Betriebsstrom liefert. Als Antenne dient ein auf einer Haspel (Fig. 2) aufgewickelter Bronzedraht, der mit Hilfe einer Kurbel leicht auf- und abgewickelt werden kann. Als elektrisches Gegengewicht dienen der Motor und die Verspannungsdrähte des Flugzeugs. Von der Haspel führt der Antennendraht aus Phosphorbronze in einem Kupferrohr längs eines Trägers des Fahrgestells zu einem Punkte, bei dem einerseits keine Gefahr vorhanden ist, daß der abgewickelte Draht in den Propeller geraten und der andererseits beim Landen nicht mit dem Erdboden in Berührung kommen kann. Das Ende des Drahtes ist mit einer Beikugel beschwert, um ein leichtes Abwickeln desselben herbeizuführen und um den Draht im abgewickelten Zustand stets gespannt zu halten. Der Draht selbst ist in Abständen von 5 zu 5 m mit Reißstellen versehen. Diese Reißstellen sollen in dem Fall, daß der Antennendraht sich bei niedrigen Flügen irgendwo am Erdboden verwickelt, reißen und auf diese Weise verhindern, daß das Flugzeug selbst durch einen plötzlichen Ruck in Gefahr gerät, zu kippen. Den erforderlichen Betriebsstrom liefert ein 500 periodiger Wechselstromgenerator mit angebauter Erregermaschine. Die Umdrehungszahl des Generators ist möglichst groß gewählt, um sein Gewicht herabzusetzen. Da die Umdrehungszahl der Propellerachse des Flugzeugs meist nur 1100 bis 1200 Umdrehungen in der Minute beträgt, ist eine Uebersetzung eingebaut. Im Getriebe ist ferner eine Kupplung vorgesehen, die gestattet, die Dynamomaschine nach Belieben ein- und auszuschalten. Hierdurch ist das dauernde Laufen der Dynamomaschine und die damit verbundene Abnutzung derselben vermieden. Die Kupplung wird mittels Seilzuges vom Sitze des Telegraphisten aus bedient. Die funkentelegraphischen Apparate sind in einem Kasten (Fig. 3) fest eingebaut,[462] der aus einem Aluminiumrahmen mit Rohrplattenverkleidung besteht; sie sind nach Fig. 1 geschaltet. Der 500 periodige Wechselstrom fließt über eine Telegraphiertaste zu einem Transformator, der ihn von 110 Volt auf 8000 Volt umformt. Der hochgespannte Strom ladet die aus Glimmerkondensatoren bestehende Kapazität des Stoßkreises. Die Löschfunkenstrecke besteht aus einzelnen Elektroden, die durch dünne Glimmerringe voneinander getrennt sind. Als Selbstinduktion des Stoßkreises dient eine Kupferbandflachspule, die mit einer kleinen Kupferbandleier in Reihe geschaltet ist. Der Stoßkreis ist auf drei feste Wellen von 300, 450 und 600 m abgestimmt. Die Leier dient ähnlich einem Variometer zur Abstimmung des Stoßkreises auf den Antennenkreis. Dieser besteht aus dem Luftdraht von 80 m Länge und der Luftdrahtverlängerungsspule; letztere hat drei Abzweigungen, entsprechend den drei Senderwellen. Als Resonanzanzeiger dient ein direkt in die Gegengewichtsleitung eingeschaltetes Hitzdrahtampèremeter. Für den Empfang wird wie bei der Tornisterstation eine zylindrische Schiebespule in die Antenne eingeschaltet. Es sind zwei Detektoren vorgesehen, von denen der eine sehr empfindlich, der andre weniger empfindlich ist, und die mittels eines Umschalters wahlweise an den Empfänger angeschaltet werden können. Der Wellenbereich des Empfängers erstreckt sich auf 300–900 m.

Die Freiballonstation. Sie hat die Einrichtung einer kleinen Flugzeugstation von etwa 25 km Reichweite, deren Betriebsstrom durch eine Batterie geliefert wird. Luftleiter und Gegengewicht werden in der von Meyenburg angegebenen Form nach Fig. 4 angeordnet. Als Gegengewicht ist der Ballonkörper mit einem leitenden Netz umgeben, das einen gewissen Schutz gegen statische Entladungen und damit gegen die bei der Landung so gefürchteten Gasentzündungen gewährt. Ost erhalten Freiballone nur einfache Empfangsapparate. Da die Luftdrahtlänge hier erheblich größer gewählt werden kann als beim Aeroplan oder dem Motorluftschiff, so können mit relativ kleinen Senderenergien große Reichweiten erzielt werden.

Die Motorluftschiffstation. Sie hat eine Reichweite von 100 bis 200 km, je nachdem ein Wechselstromgenerator von 0,25 oder 0,5 KW. Leistung benutzt wird. Die Antenne besteht aus einer etwa 200 m langen Bronzelitze, die über Leitrollen frei herabhängt und mittels einer Haspel nach Fig. 2 in kurzer Zeit herausgeholt werden kann. Das Gegengewicht wird durch die Gondel des Luftschiffes gebildet. Enthält die Gondel nicht genügend Metallteile, also eine zu geringe Kapazität, oder ist die Gefahr einer Gasentzündung durch zu große Nähe der Hochspannung vorhanden, so wird als Antenne nach dem Vorschlag von Beggerow eine Art Lecherches Drahtsystem nach Fig. 5 benutzt. Für die Ausstrahlung kommt nur der überwiegende Teil A B des längeren Drahtes in Betracht; die gefährlichen Spannungen treten also weit entfernt vom Ballonkörper auf. Die funkentelegraphischen Apparate sind in einem Holzschrank, der durch eine Vertikalwand in eine offene vordere und eine geschlossene hintere Hälfte geteilt ist, untergebracht. Vorn befinden sich alle von Hand zu bedienenden Einzelapparate des Senders und Empfängers, hinten die Apparate, die wie Selbstinduktionen und Kapazitäten keiner Wartung und Beobachtung bedürfen. Der Antrieb der Wechselstrommaschine erfolgt durch den Motor des Luftschiffes durch Ketten- oder Riemenübertragung oder durch ein Vorgelege mit lösbarer Kuppelung, die Schaltung und Anordnung der Apparate ist die normale des Löschfunkensystems. Der Sender ist für Wellen von 300 bis 2000 m, der Empfänger für solche von 600 bis 1400 m Länge eingerichtet.

B. Die Vieltonstationen der C. Lorenz A.-G. für Heereszwecke.

1. Die fahrbare Station mit Bespannung. Sie hat eine Reichweite von mindestens 200 km und ist auf einem Protzfahrzeug untergebracht, das aus zwei aneinander gekoppelten zweirädrigen Karren besteht. Der vordere Karren enthält die Sende- und Empfangsapparate, während der hintere Karren den Benzinmotor, die Dynamomaschine und das Betriebsmaterial aufnimmt und außen den Antennenmast trägt. Für die Bedienungsmannschaften sind auf dem Vorderwagen drei, auf dem Hinterwagen zwei Plätze vorgesehen; das Fahrzeug wird mit sechs Pferden bespannt. Als Kraftquelle dient ein Benzinmotor, der mit einer Einphasen-Wechselstromdynamomaschine direkt gekuppelt ist. Die Sendeapparate sind in dem vorderen Karren untergebracht und nach Maßgabe des Schemas Fig. 6 geschaltet. Der Wechselstromgenerator liefert Einphasenwechselstrom von etwa 300 Volt Spannung und leistet ungefähr 2,5 KW.; in seiner Zuleitung zum Transformator T r ist das Amperemeter V eingeschaltet. Durch den Spannungstransformator T r wird der Wechselstrom auf 2500 Volt umgeformt. Der hochgespannte Wechselstrom speist die mehrfach unterteilte Entladestrecke F, die aus übereinander gelegten und durch einen kleinen Zwischenraum getrennten Silberkalotten besteht; in die Zuleitung ist eine Telegraphiertaste T a gewöhnlicher Konstruktion mit Platinkontakten eingeschaltet. Zu der Funkenstrecke sind zwei Schwingungskreise parallel geschaltet: der Tonkreis und der Stoßkreis. Der[463] Tonkreis besteht aus der Tonkreistastatur H mit acht Tasten für eine Oktave; jede Taste ist mit Doppelhebelkontakten versehen, ferner der Tonkreisspule mit acht verschiedenen, den Tönen der Oktave entsprechenden Selbstinduktionswerken J, sowie aus dem Tonkreiskondensator C, der aus Gruppen und Serien von Glimmerkondensatoren mit einer Gesamtkapazität von 20000 oder 40000 Zentimeter, je nach der Tonhöhe, gebildet wird. Der Stoßkreis enthält den Stoßkreiskondensator K, der aus Glimmerkondensatoren von etwa 100000 cm Kapazität besteht, ferner die Stoßkreiskoppelungsspule Vs, die in die Antennenkoppelungsspule Vt verschiebbar eingelagert ist. Beide Spulen enthalten Abzweigungen zur Veränderung der Wellenlängen im Bereiche von 550–2000 m. In die Antenne ist noch zur genaueren Abstimmung ein Selbstinduktionsvariometer Sv und als Strommesser ein Hitzdrahtinstrument A eingeschaltet. E ist eine Kupplungsschleife für einen Wellenmesser.

Die Schwingungsvorgänge im Stoßkreis und im Tonkreis greifen derart ineinander, daß die häufigen Stoßentladungen des Stoßkreises durch die Entladungen des Tonkreises gesteuert werden, d.h. die gegenüber der Tonkreisfrequenz häufigen Stoßentladungen des Stoßkreises treten in einzelnen Gruppen auf, deren Häufigkeit durch die Periodenzahl des Tonkreises bestimmt ist. Die sekundliche Zahl der Stoßgruppen ist unabhängig von der Frequenz der einzelnen Stoßentladungen, maßgebend für die Höhe des Tones. Da die Tastatur des Tonkreises eine Oktave enthält, ist es möglich, auch die bei den Armeen üblichen Hornsignale drahtlos zu übertragen. Die Empfängereinrichtung ist so getroffen, daß gleichzeitiger Hörempfang mit zwei Hörern stattfinden kann. Das in die Antenne eingeschaltete Variometer gestattet die Abstimmung derselben auf Wellenlängen von 200–3000 m. Als Luftleitergebilde ist eine gewöhnliche Schirmantenne vorgesehen, die aus einer größeren Anzahl feindrähtiger Bronzelitzen gebildet wird. Der Mast für die Antenne ist als Spindelmast gebaut, der sich mit Hilfe einer Kurbel zu einer Höhe von 18 bis 25 m herauskurbeln läßt.

2. Die Packsattelstation. Sie hat eine Reichweite von 50 bis 90 km und erfordert für den Transport sechs Tragpferde oder Maultiere. Als Kraftquelle dient ein Benzinmotor, der von einem Packsattel getragen wird, der gleichzeitig als Maschinengestell ausgebildet wird. In dies Gestell wird die auf einem andern Packsattel untergebrachte Dynamomaschine zum Betriebe eingesetzt und mit dem Motor gekuppelt. Die Schirmantenne besteht aus drei Luftdrähten; dementsprechend ist auch die als Gegengewicht ausgebildete Erdantenne dreidrähtig. Als Antennenträger wird ein aus Holzteilen zusammengesetzter Mast von 18 m Höhe verwendet,[464] der mittels einer Hebevorrichtung aufgerichtet wird. Der Sender erhält drei feste Wellenlängen von 400, 500 und 600 m, während der Empfänger mit einer kontinuierlichen Wellenskala ausgerüstet wird. Die Anordnung und Schaltung der funkentelegraphischen Apparate entspricht derjenigen der fahrbaren Stationen.

3. Die Automobilstation. Ihre funkentelegraphische Ausrüstung entspricht derjenigen der fahrbaren Stationen mit Bespannung, die bauliche Ausführung hat Aehnlichkeit mit den Automobilstationen der Telefunkengesellschaft.

4. Luftschiff- und Aeroplanstationen nach dem Vieltonsystem. Luftleiter und Gegengewicht sind wie bei den entsprechenden Stationen des Telefunkensystems angeordnet. Die funkentelegraphischen Apparate sind in einem Kasten untergebracht. Beide Stationsarten sind nur für kleine Reichweiten bestimmt, so daß für den Sender eine leichte kleine Dynamomaschine genügt. Fig. 7 stellt einen Vieltonsender für Luftschiffe dar; vorn links sind der Glimmerkondensator, in der Mitte die Kalottenfunkenstrecke mit Spiritustropfapparat, rechts die Selbstinduktionsspulen des Stoßkreises und Antennenkreises sichtbar. Auf dem Deckel ist die Tastatur des Tonkreises und daneben die Morsetaste angeordnet.

C. Die Funkentelegraphen für Luftfahrzeuge der Firma E.F. Huth G.m.b.H., Berlin.

Es werden hergestellt einfache Empfangsstationen für Freiballone, sowie kleinere oder größere Stationen mit vollständiger Sender- und Empfangseinrichtung für Aeroplane und Motorluftschiffe. Zur Verwendung kommen Löschfunkensender und Kontaktdetektoren für den Empfang, die sich wohl konstruktiv, prinzipiell aber nur wenig von den entsprechenden Anordnungen des Telefunkensystems unterscheiden. Charakteristisch für den Sender ist die käfigförmige Löschfunkenstrecke (Fig. 8); sie ist sechsfach unterteilt und besteht aus einzelnen Silberrohren, deren Abstand sich in einfachster Weise für jede Funkenlänge einstellen läßt. Die Rohre sind drehbar angeordnet, so daß man die Funken stets auf neue Mantellinien der Rohre überspringen lassen kann.

Otto Jentsch.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 3.
Fig. 4.
Fig. 4.
Fig. 5.
Fig. 5.
Fig. 6.
Fig. 6.
Fig. 7.
Fig. 7.
Fig. 8.
Fig. 8.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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