Klebemittel [2]


Klebemittel [2]

Klebemittel, neue.

In den letzten fünf Jahren waren auch die Klebemittel knapp, arabisches Gummi mangelte, auch mit Stärke konnten wir nur ungenügend versehen werden, die bisher üblichen Dextrine und löslichen Stärken konnten nicht hergestellt werden. Man war darauf angewiesen, Pflanzenschleime, Abkochungen von Moosarten (Carragheenmoos) zu gebrauchen, dann Wasserglaslösungen, von denen ja längst bekannt ist, daß sie sich als Klebemittel besonders für Papier auf Metall bewährt haben. Auch die im Wasser nur quellenden Gummis der Kernobstbäume, wie Mandeln, Aprikosen, Pfirsiche, mußten herangezogen werden. Gervos hatte schon früher angegeben, daß insbesondere Kirschgummi in mit Schwefelsäure schwach angesäuertem Wasser bei Erwärmung, noch besser Kochen mit 2% Schwefelsäure enthaltendem Wasser in Lösung zu bringen sei. Hager gibt an, zerkleinerten Kirschgummi mit Wasser abzuwaschen, dann mit der dreifachen Wassermenge einige Zeit stehen zu lassen, die Lösung abzugießen und auszutrocknen, der Rückstand wird mit einer Lösung von 10 Teilen Aetznatron und 25 Teilen kristallisierter Soda in Wasser übergossen, im Wasserbad erwärmt, bis Lösung eintritt, die Lösung auf Glasplatten gestrichen, trocknen gelassen und dann zerkleinert. Nach noch einer anderen Angabe wird unlösliches Gummi mit der fünffachen Wassermenge, die im Liter 50 bis 60 gr Wasserstoffsuperoxyd enthält, (12 Vol.-Proz.) zur Lösung gebracht und eine größere Menge Wasserstoffsuperoxyd soll vollständige Lösung herbeiführen. Auch durch Behandlung derartiger Gummi in gereinigtem, zerkleinertem Zustande mit Wasser bis zum Aufquellen, Einbringen der Gallertmasse in einen emaillierten Autoklaven und Aussetzen einer hohen Dampfspannung soll Lösung eintreten. Weiterhin ist Kochen mit Lösung von Aetzsoda oder Aetzkalk empfohlen worden. Die Lösung von Dextrin für flüssige Klebemittel erfolgt in warmem Wasser, allenfalls nachfolgendem Erhitzen zum Kochen und bis zur völligen Klärung. Es sind außerdem verschiedene Verfahrungsweisen bekannt, mittels welcher besondere Effekte erzielt werden sollen und bei denen Zusätze, wie Essigsäure, Salicylsäure, Glyzerin, Glukose, Aluminiumsulfat, Alkohol u.s.w., gemacht werden, die Löslichkeit und die Erzielung klarer Lösungen ist aber von der Beschaffenheit des Dextrines mit abhängig. Nach Fr. Bayer & Co., Leverkusen, läßt sich ein dem arabischen Gummi ähnlicher Klebstoff aus löslicher Stärke herstellen, indem man die Lösung der Stärke mit oder ohne Zusatz von Formaldehyd, bei gleichzeitiger Gegenwart wasserlöslicher Salze organischer Säuren, von denen genannt sind: wasserlösliche Salze der Karbon- und Amminosäuren, der Benzolreihe, der Sulfosäuren des Benzols, Phenols und anderer. Beispielsweise werden 20 Teile wasserlöslicher Stärke mit 8 Teilen naphthalinmonosulfosaurem Natron gemischt, das trockene Pulver in Wasser eingetragen, auf etwa 80° C unter Umrühren erhitzt. Ferner kommen Pektin enthaltende Materialien in Betracht, pflanzenschleimähnliche Substanzen, die beim Kochen gelatinieren, sich in vielen fleischigen Früchten, Rüben u.s.w. finden; bei der Behandlung beispielsweise von Rübenschnitzeln mit organischen Säuren, wie Ameisen-, Essig-, Oxal-, Wein- oder Karbolsäure, wobei eine Ueberführung der vorhandenen Metapektinsäure in lösliche Arabinsäure, den Hauptbestandteil des arabischen Gummis, erfolgt. Auch aus Quittenkernen, Leinsamen und Flohsamen sollen Klebemittel dieser Reihe erhalten werden. Viele Tangarten enthalten Klebesubstanzen, die durch Kochen mit Sodalösungen erhalten werden, ferner aus Brauereiabfällen und dann insbesondere aus Zellstoffablaugen, die wohl das hauptsächlichste Rohmaterial für die zahllosen Klebmittel mit angeblich hervorragenden Eigenschaften bilden.[332] Leider sind diese Laugen schmierig, dick, mehr oder weniger dunkel gefärbt und sie können als Notbehelf dienen, niemals aber Gummi und Dextrin auch nur annähernd ersetzen. Auch Kumaronharz (s.d.) in flüchtigem Lösungsmittel ist empfohlen worden, besitzt aber wie andere harzige Klebemittel eine hohe Sprödigkeit und neigt außerdem zum Durchschlagen.

Andés.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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