Kapselgebläse [2]


Kapselgebläse [2]

Kapselgebläse. Die neuere Ausführung des Enkeschen Gebläses [1] zeigen die Fig. 14, und zwar Fig. 1 u. 2 ein einfachdichtendes, Fig. 3 u. 4 ein doppeldichtendes.

Die durch schwarze Schraffierungen angedeuteten Stellen bedeuten die Dichtungsflächen des Gebläses. Die inneren Zylinder sitzen an den beiden seitlichen Deckeln fest, um sie herum rotieren die Flügel, welche an der mittleren Scheibe beteiligt sind. Sie besitzen eine breite Flächendichtung von 100–250 mm Berührungsoberfläche.

F. Lehmann in Eilenburg baut zu dem Zwecke, das Zurückströmen der Luft in den spannungslosen Kammerraum und die dadurch entstehenden Erschütterungen und Geräusche zu vermeiden, neuerdings Kapselgebläse mit Steuerwalzen nach folgender Anordnung [3], Fig. 57. Bei denselben wird der Kammerinhalt vor seiner Verbindung mit dem Druckraum unter Pressung gebracht, indem die Arbeitskolben den vor denselben zeitweilig abgeschlossenen Inhalt verdichten. Wie Fig. 5 zeigt, öffnet sich die Kammer K1 bei Weiterdrehung in der Pfeilrichtung. Der Kolben Z1 schließt den Druckraum d bei W ab, so daß also die Druckspannung nicht weiter in den Zwischenraum eintreten kann. Es findet also zunächst nur Druckausgleich der eingeschlossenen Luftmenge mit dem Kammerinhalt K1 statt. Der sich weiterbewegende Arbeitskolben Z1, Fig. 6 und 7, steigert nur den Druck in der Kammer K1 Fig. 7 zeigt die Stellung, bei welcher der verdichtete Rauminhalt in K1 durch den Druckausgleichkanal p mit der Druckseite d in Verbindung[398] tritt. Die Kanäle y1 dienen zum Druckausgleich der Kammern K1–K4 jeweils mit dem Raum zwischen zwei Kolben auf der Saug- oder Druckseite.

Ein Kapselgebläse, welches nach Art des Bealeschen Kapselwerkes [4] wirkt, bauen neuerdings die Siemens-Schuckertwerke, Berlin, sowohl zur Erzeugung von Druckluft als auch als Vakuumluftpumpe. Das Gebläse, Fig. 8 und 9, besteht aus dem Mittelstück B, dem umlaufenden Teil A mit den Schiebern G und den beiden Seitenstücken C mit den Wellenlagern O, O. Der gußeiserne, innen kreisförmig ausgedrehte Pumpenkörper dient zur Aufnahme des walzenförmigen rotierenden Teils A, der exzentrisch zur inneren Ausbohrung so gelagert ist, daß er diese Ausbohrung an der Stelle d berührt. Dadurch, daß der Durchmesser des umlaufenden Teils A kleiner ist als der innere Durchmesser des Pumpenkörpers B, entsteht der sichelförmige Arbeitsraum, der seitlich durch die beiden Deckel C begrenzt wird. Der umlaufende Teil enthält mindestens zwei Schlitze mit Schiebern G aus gehärtetem Stahl. Diese Schieber G werden bei Drehung der Welle durch die Fliehkraft mit ihren Stirnflächen gegen die innere Zylinderfläche des Pumpenkörpers gepreßt. Die Dichtung an der Stelle d zwischen Sang- und Druckraum geschieht oben durch Berührung der Walze mit der Zylinderwand. Der Pumpenkörper enthält oben auf der einen Seife eine Bohrung für den Lusteintritt, auf der andern Seite eine Anzahl von Bohrlöchern für den Luftaustritt; auf dieser Seite ist der Regel nach ein Rückschlagventil angebracht. Die äußere Ansicht eines solchen Kapselwerkes als Kondensatorluftpumpe in Verbindung mit einer Kühlwasserpumpe und einem Elektromotor zeigt Fig. 10.

Auch als Hochvakuumluftpumpe führen die Siemens-Schuckertwerke dies Kapselwerk aus, wie aus Fig. 11 und 12 zu ersehen ist. Dieselbe unterscheidet sich von dem vorbeschriebenen Kapselwerk dadurch, daß die zwei Schieber nicht durch die Fliehkraft, sondern durch Federkraft an die Wandungen des Pumpenkörpers angepreßt werden. Ferner befindet sich auf der Druckseite der Pumpe unter der Ventilklappe ein größerer mit Oel gefüllter Raum, dessen Inhalt zur Abdichtung der Pumpe dient. Die Pumpe ist in einem Oelkasten eingebaut. Sie trägt vorn auf der Welle ein Schwungrad,[399] das als Riemenscheibe ausgebildet ist und für Handbetrieb mit einer Kurbel versehen werden kann. Bei Antrieb durch Elektromotor mittels Riemen werden Pumpe und Motor auf einer gemeinsamen Holzgrundplatte aufgebaut.

Bei der günstigsten Umlaufszahl von ca. 400 in der Minute werden etwa 70 l Luft in der Minute gefördert. Nach Versuchen von Fischer in München [5] wurde mit einer solchen Pumpe ein absoluter Druck von 0,015 mm Quecksilbersäule und bei Hintereinanderschaltung von zwei Pumpen, wie in Fig. 11 und 12 dargestellt, ein solcher von 0,00015 mm erreicht. Der Kraftbedarf für eine einfache solche Pumpe ist etwa 0,3 PS., für zwei hintereinander geschaltete etwa 0,5 PS.; im letzteren Falle erfolgt der Antrieb von einer Doppelscheibe aus derartig, daß die eigentliche Hochvakuumpumpe mit etwa 200 Touren, die zweite, Vorpumpe, mit etwa 400 Touren in der Minute läuft.


Literatur: [1] Maschinenfabr. C. Enke, Leipzig-Schkeuditz. – [2] Maschinenfabr., Leipzig-Plagwitz, Zeitschr. d. Ver. deutsch. Ing. 1906, S. 1122. – [3] D.R.P. Nr. 232285 vom 19. 3. 1910, vgl. a. Uhland, Prakt. Masch.-Konstrukteur 1909, Nr. 23 u. 26. – [4] A. v. Ihering, Gebläse, 3. Aufl. 1913, S. 346, Fig. 430. – [5] Verhandl. d. Deutschen Physik. Gesellsch., VII. Jahrg. Nr. 14 u. 21 »Eine neue Rotationsölpumpe für große Förderungen und hohes Vakuum«.

v. Ihering.

Fig. 1–4.
Fig. 1–4.
Fig. 5., Fig. 6., Fig. 7.
Fig. 5., Fig. 6., Fig. 7.
Fig. 8., Fig. 9.
Fig. 8., Fig. 9.
Fig. 10.
Fig. 10.
Fig. 11., Fig. 12.
Fig. 11., Fig. 12.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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