Hochofenschlacke


Hochofenschlacke

Hochofenschlacke entsteht bei der Herstellung des Roheisens, indem sich die tonerde- und kieselsäurereichen Bestandteile der Erze mit dem Kalkzuschlag zu Kalk-Tonerde-Silikaten verbinden.

Die Zusammensetzung der Hochofenschlacke ist zwar von der Zusammensetzung der verhütteten Eisenerze abhängig, fällt aber bei ein und denselben Hochofenbetrieb, wenn immer die gleiche Eisensorte erzeugt und gleichartige Erze verhüttet werden, sehr gleichmäßig aus. Die Hochofenschlacke wurde früher als wertlos auf Halden geschüttet und verteuerte dadurch den Betrieb. Heute besteht die Möglichkeit, sie in mehrfacher Weise zu verwenden. Als sogenannte Stückschlacke wird sie zu Packlage, Trockenmauerung, und in gequetschtem Zustand zu Straßenschotter und als Zuschlagsmaterial zur Betonbereitung benutzt. Als granulierte Schlacke bildet sie den Ausgangspunkt für die Fabrikation des Eisenportlandzements (s.d., S. 230) und des Hochofenzements (s.d.). Der granulierte Schlackensand dient aber auch als Ersatz für Flußsand bei der Herstellung von Beton. Er wird zu diesem Zweck noch geeigneter durch leichtes Mahlen im Kollergang, wodurch er seine Porosität verliert und dem Flußsand ähnlicher wird, so daß er sich sogar zum Verputzen eignet.

Im lothringischen und westfälischen Hüttengebiet hat man seit einer Reihe von Jahren die Schlacken in dieser Weise zu zahlreichen Bauten aus Stampfbeton und Eisenbeton verwendet, ohne daß sich Uebelstände gezeigt hätten. Im Gegenteil tragen die Härte der Schlackenstücke, ihre rauhe, leicht poröse Oberfläche und die oft beobachteten hydraulischen Eigenschaften des granulierten Schlackensandes zur Erlangung eines guten Betons bei. Da die Eignung der Hochofenschlacken zurzeit noch nicht wissenschaftlich erforscht ist, so wird empfohlen, nur alte, in den Halden abgelagerte Schlacke zu verwenden, da man dann sicher ist, daß ein etwa vorhanden gewesener Gehalt an Schwefel durch die Witterungseinflüsse unschädlich gemacht worden ist. Indessen können die Schlacken einer großen Zahl von Hochofenwerken anstandslos in frischem Zustand verwendet werden.

Die Hochofenschlacke ist nicht zu verwechseln mit der Kesselschlacke, die für Eisenbeton nicht in Betracht kommt, da erfahrungsgemäß ihr Schwefelsäuregehalt zum Rosten der Eiseneinlagen führt. Bei Verwendung der Hochofenschlacke konnte ein schädlicher Einfluß auf das einbetonierte Eisen nicht beobachtet werden. Auch die in den Halden aus Hochofenschlacken sich zufällig vorfindenden Eisenstücke zeigen keine Neigung zur Rostbildung; nach Jahren finden sich selbst dünne Bleche, Draht u.s.w. metallisch erhalten vor.


Literatur: [1] A. Knaff, Zur Frage des Schlackenbetons, »Stahl und Eisen« 1911, S. 373. – [2] Mörsch, Eisenbetonbau, 4. Aufl., S. 34. – [3] Passow, Hochofenzement, 1913.

Mörsch.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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