Hallenbau


Hallenbau

Hallenbau. Für den Luftverkehr sind besonders zwei verschiedene Hallengattungen nötig geworden: erstens die Luftschiffhalle, zweitens der Flugzeugschuppen.

Für Luftschiffhallen haben sich folgende Systeme herausgebildet: die feststehende rechteckige Halle, die für ein oder zwei Schiffe eingerichtet ist; sie hat den Nachteil, daß ein sicheres Ein- und Ausbringen der Luftschiffe bei schräg seitwärts auf die Halle stehendem Wind ohne Begnadigung der Luftschiffe kaum möglich ist (Fig. 1).

Abänderungsvorschläge: Aufklappen der Tore zu einer Art Trichter, wodurch die Einfahröffnung vergrößert wird; ferner: verschiebbare Rollwände; weiter: eine leicht gebaute drehbare Rundhalle vor der festen Halle, in welche das Schiff zunächst in Windrichtung einfährt, worauf die Halle in Richtung der festen Halle gedreht wird, so daß das Schiff jetzt in diese hinüberfahren kann. Endlich eine Anordnung von Laufschienen vom Innern der Halle bis mitten auf den Landungsplatz, in welchen kleine Laufkatzen rollen, an die das Luftschiff zunächst verankert wird, um dann mit den Laufkatzen zusammen in die Halle geschleppt zu werden.

Die feste Halle ist größtenteils in Eisenbinderkonstruktion aufgebaut, seitlich mit großen Fenstern ausgemauert und an den beiden Schmalseiten mit Klapptoren, Schiebetoren oder halbrunden Schiebetoren versehen. Die zuerst gebräuchlichen Vorhänge als Alleinverschluß werden nur noch bei provisorischen Hallen verwendet (s. die nachstehende Tabelle).


Hallenbau

Die zweite Ausführung ist die drehbare rechteckige Halle, die praktisch nur von den Siemens-Schuckert-Werken in Biensdorf (Fig. 2) ausgeführt worden ist, sich um einen Mittelzapfen drehte und an der Peripherie in Schienen rollte. Die Ausführung bewährte sich im allgemeinen; für schnell umspringenden, böigen Seitenwind war jedoch die eigene Drehgeschwindigkeit der Halle zu klein, um so schnell folgen zu können, daß das Schiff nicht beschädigt wurde. Außerdem besteht die Gefahr, daß bei schweren Witterungsunbilden, starken Schneefällen, beträchtlicher Eisbildung der Drehmechanismus nicht funktionierte.

[362] Die nächste Konstruktion ist die Rundhalle, bei der eine Anzahl Tore an der Peripherie gleichmäßig verteilt sind. Als Nachteil wird angenommen, daß das Einbringen der Schiffe bei Wind ebenso schwierig ist wegen der Wirbelbildung hinter der Halle. Außerdem wird die Konstruktion des großen Gewölbes sehr teuer. Die Rundhalle ist noch nicht ausgeführt worden; es liegen jedoch eine ganze Reihe Projekte vor, z.B. eine aufklappbare Rundhalle, eine Rundhalle mit drehbarem Dach u. dergl.

Die schwimmende Halle: Die ganze Hallenkonstruktion wird durch luftdichte Schwimmpontons getragen. Die Halle liegt vor einem Anker und stellt sich daher stets in die Windrichtung ein; einzige Ausführung: erste Zeppelinhalle auf dem Bodensee; sie hat sich durchaus bewährt, hatte aber die Nachteile: Große Wasserfläche erforderlich; Einstellung in die Windrichtung dauert zu lange, um ein ein- oder ausfahrendes Schiff vor Befriedigungen bei böigem Wind zu schützen; bei Eisbildung keine Einstellung in den Wind.

Luftschiffhallen müssen außer dem Erfordernis, den Luftkreuzer bei allen wichtigen Gelegenheiten unbeschädigt ein- und ausbringen zu können, noch Schutz gegen Geschosse bieten und im Innern möglichst gleichmäßige Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse aufweisen. Man hat vorgeschlagen, die Halle in die Erde, einzubauen. Nachteile: Liegt die Sohle unterhalb des Grundwasserspiegels, so ist es schwer, die Halle trocken zu halten; bei großem Regen- und Schneefall ist das Trockenhalten zeitweilig ausgeschlossen. – Weiterer Vorschlag: Einbau in einen Berg. Nachteile: Einfahrt und Ausfahrt nur bei bestimmter Windrichtung möglich, Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse sehr schwer innerhalb des Berges zu regeln.

Flugzeugschuppen. Wesentlich geringere Anforderungen stellen die Flugzeugschuppen, die denn auch in letzter Zeit in allen Kulturstaaten in außerordentlich großer Anzahl aufgestellt worden sind, so daß das Netz der Flugstützpunkte ein dichtes und weitverzweigtes ist. In Deutschland hat vornehmlich der Deutsche Luftfahrerverband und der Deutsche Flugverband Normalien für die Herstellung von Schuppen ausgearbeitet, nach denen die weitaus meisten Schuppen eingerichtet sind. Die Abmessungen sind: etwa 21 m Breite, 30 m Länge; Toröffnung 20 m, 4 m Höhe.

Außer diesen Einzelschuppen sind auf den großen Flugplätzen sowie auf den militärischen Fliegerstationen eine Reihe größerer Bauwerke errichtet worden, die zur Aufnahme mehrerer Flugzeuge gleichzeitig eingerichtet sind. Diese Schuppen haben in der Längswand nach dem Flugplatz zu eine Reihe ineinander zu schiebender Tore, so daß das Flugzeug in dem jeweils passenden Raum untergebracht werden kann. Die Ausführung der Schuppen ist entweder in Mauerwerk mit Holzkonstruktion oder in Eisenkonstruktion oder in Beton oder in Eisenbetonverfahren. Letztere Ausführungsarten sind hauptsächlich für die großen Schuppen zur Anwendung gelangt.


Literatur: [1] Deutsche Luftfahrer-Zeitschr., Berlin 1913. – [2] Sonntag, Entwicklung der Luftschiffhallen, Berlin 1913/14.

Béjeuhr.

Fig. 1., Fig. 2., Fig. 3.
Fig. 1., Fig. 2., Fig. 3.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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